10.11.2004

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Wir hängen hier stumpf hinter unseren Schreibtischen und sind schon froh, überhaupt mal der einen oder anderen Pressekonferenz, Demonstration oder Podiumsveranstaltung beizuwohnen. So wird das natürlich nichts mit der Revolution. Die Waffe der Kritik kann die Kritik der Waffen nicht ersetzen. Das ist uns schon klar. Ähnlich wie Woody Allen bevorzugen wir in bestimmten Situationen Baseballschläger. Naja, leicht gesagt vom Bürosessel aus. Zumindest aber versuchen wir, die Kritik derart zuzuspitzen, dass sie als Lanze dem politischen Gegner ins Herz gebohrt werden kann. Das Wort als Faust: zuschlagen. Treffen. Für Heidedichter oder Blümchendiskurse haben wir jedenfalls keinen Platz hier.

Deshalb schätzen wir auch die Einstellung eines lieben Kollegen aus dem Verlag. Montags kommt er für gewöhnlich mit einem enormen Veilchen unterm Auge und mit Kopfverband aus seinem Wochenende. Am Wochenende wird dieser harmlose, freundliche, gar nicht große, junge Mann nämlich zur Kampfmaschine. Es ist so etwas Ähnliches wie Fightclub. Blessuren dienen den Eingeweihten als Code. Letztens verabschiedete sich der Kollege mit etwas gemischten Gefühlen ins Wochenende. Den bisher schwersten Kampf habe er vor sich, große Sache, Eurosport werde berichten. Ein bisschen beunruhigt wirkte der Kollege, und das kennen wir sonst nicht von ihm. Also waren auch wir beunruhigt.

Montag kam er dann aus Karlsruhe zurück. Als Sieger! Und das Pflaster auf der Nase sei nur wegen eines Kratzers. Vor 2500 Zuschauern hat er bei der »Nacht der Gladiatoren« seinem Gegner derart eins auf die Zwölf gegeben, dass der nach drei Runden von den Punktrichtern aussortiert wurde. Und ein ordentliches Preisgeld gab’s obendrein. Wir sind nun alle mächtig stolz auf unseren Freefighter, und der immer geldgeile Geschäftsführer überlegt bereits, wie er den Kollegen gewinnbringend einsetzen kann. Dabei sollte er ihm erst mal ein schönes Jungle-World-Tattoo auf dem Rücken sponsern! Kann es eine bessere Werbeplattform geben?

Uns alle motiviert das sehr. Denn wir haben eine ähnliche Einstellung wie der Kollege. Einmal die Woche hauen wir unseren Lesern eins auf die Mütze. Zack! Und auch wir holen uns regelmäßig unsere Tracht diskursive Prügel ab. Wer eine Zeitung will, die ihm Honig ums Maul schmiert, ist bei uns an der falschen Adresse, aber das wissen Sie ja bereits. Und wir wollen keine handzahmen Leser. Hier herrscht das offene Wort. Komm doch, feige Sau! Abonnier uns! Oder trauste dich nicht? Alles Weicheier da draußen … Hey, wir kommen gern vorbei und ziehen bei Ihnen daheim die Möbel gerade. Abo-Schnipsel einschicken, und schon rücken wir jeden Mittwoch an und verpassen Ihnen ordentlich eins zwischen die Ohren. Unter Sportsfreunden, natürlich!