Protestsongs, also Lieder zum oder über den Kampf gegen die Verhältnisse. Jim Avignon ist dabei, mit einem wilden, nerdigen Anti-Bush-Song, die Goldenen Zitronen, die Ärzte, Afrob, Advanced Chemistry, Tocotronic, aber auch die Linkssentimentalen Transportarbeiterfreunde und Funny van Dannen. Einerseits. Auf der zweiten Hälfte der Doppel-CD, der CD, die »Bleibende Werte« heißt, finden sich Joseph Beuys mit seinem elenden »Sonne statt Reagan«, Ton Steine Scherben mit, was sonst?, »Keine Macht für niemand«, Slime, Konstantin Wecker und Franz Josef Degenhardt, daneben dann das Hazy-Osterwald-Sextett (»Konjunktur Cha Cha«), Otto (»Dupscheck«), Nena (»99 Luftballons«) oder Nicole (»Ein bisschen Frieden«).
Tatsächlich hört sich vieles genauso blöd an wie auf all den anderen Samplern, mit denen Solidarität für irgendwas eingeklagt werden soll, repräsentativ sind die Songs jedenfalls nicht, zu krude ist die Mischung, zu schlecht die Zusammenstellung. Perlen zwischen Sauereien. Bessere Kabarett-Darbietungen neben pathetischem Dreck, daneben dann wieder Songs, die über eine gewisse widerständige Ästhetik verfügen. Das alles wird zum Irgendwie-Pop, wird eingemergelt in der Spaßmaschinerie, ist gleichermaßen schlau und dumm, wird also letztlich vorgeführt und diskreditiert.
Die CD macht aber keinen Spaß, zumal einige der Stücke keinen Unterhaltungswert haben, nicht einmal das. Politik oder zumindest politisch motivierte Kritik als Trash. Hihi. Vielleicht liegt das ja einfach nur daran, dass es keine Poplinke gibt, die weiß, was das ist: Politik.
jörg sundermeier
V.A. – Protestsongs.de (Lieblingslied/Alive)