01.12.2004

Strandfeeling

liebe ware

Produkte, die wir auch nach dem Kapitalismus nicht missen möchten. »Man kann sich doch auch einfach Sand ins Duschgel schütten«, antworten manche Schlaumeier, wenn man ihnen erklärt, was Duschpeeling ist. Na denn viel Spaß bei dem Versuch! Den Sand nehmen Sie von der nächsten Baustelle, oder was? Oder mal schnell in den Urlaub und die Dünen abgetragen? Und wie mixen Sie den Sand dann ins Duschgel? Mit der Küchenmaschine?

Es gibt Duschpeeling fertig abgepackt im Drogeriemarkt um die Ecke zu kaufen. Und zwar in den verschiedensten Ausführungen. Für alle Hauttypen, parfümiert oder unparfümiert. Mit feinstem Seesand von weißen Südseestränden mit türkisem Wasser, Hamamelis und Salbei, mit Reiskleie, hautschützenden Vitaminkomplexen und Sesamöl.

Manche lieben am Duschpeeling, dass es sich auf dem Körper anfühlt wie die rauen Hände echter Arbeiter. Andere wiederum können vom feinen Kribbeln, welches die kleinen Körnchen erzeugen, gar nicht genug kriegen. Wieder andere sehnen sich nach einer hautklärenden Dusche, wenn sie von einer rauschenden Party nach Hause kommen.

Wer es benutzt, bekommt keine Pickel mehr, die Haut wird babypopoweich, und alle Menschen werden wunderschön. Was daran politisch ist? Na, Duschpeeling ist die Allegorie der Revolution. Man muss zerstören, damit Neues entsteht. Unnachsichtig entfernt das Duschpeeling die unzähligen abgestorbenen Hautschüppchen. Und unter dem Pflaster liegt der Strand.

jesko bender