Eigentlich sollte Bernard Kerrick der neue Minister des Department of Homeland Security werden. Der ehemalige Undercover-Cop hat einen ähnlich rabiaten Humor wie Donald Rumsfeld und hätte ein Medienstar werden können. Doch Kerrick nahm es bei der Einstellung eines in die USA migrierten Kindermädchens mit den Gesetzen nicht so genau und musste seine Kandidatur zurückziehen.
Um eine Wiederholung dieser Panne zu vermeiden, suchte Präsident George W. Bush diesmal jemanden mit dem Charisma und Esprit eines Hans Eichel als Kandidaten aus. Niemand traut Michael Chertoff auch nur den kleinsten Skandal zu, weil jeder davon ausgeht, dass er nicht genug Fantasie hat, um ein Gesetz oder auch die Ehe zu brechen. Der Mann sei ein »praktischer Organisator« und »kundiger Manager«, lobte Bush seinen Kandidaten.
Der 51jährige Chertoff gilt als einer der einflussreichsten Juristen der USA. Seine Nominierung dürfte er vor allem den treuen Diensten für die Republikaner verdanken, unter anderem untersuchte er die dubiosen Immobiliengeschäfte der Familie Clinton. Nach dem 11. September 2001 leitete er die Ermittlungen des Justizministeriums. Chertoff befürwortet die Todesstrafe und Einschränkungen der Bürgerrechte im »Krieg gegen den Terror«, er kooperierte jedoch zeitweilig mit der Bürgerrechtsorganisation NAACP und hält Distanz zur christlichen Rechten. Auch die meisten Demokraten im Kongress befürworten seine Nominierung.
Chertoff wird einem Ministerium vorstehen, das als wenig effektiv gilt und sich nicht immer auf sein Kerngeschäft, die Verhinderung terroristischer Anschläge, konzentriert. So überprüften zwei Agenten einen Spielzeugladen in Oregon, weil er angeblich entgegen dem Patentrecht Zauberwürfel verkaufte. Aktivitäten dieser Art lassen Terroristen nicht vor Angst zittern, und Chertoffs Priorität dürfte es sein, zu beweisen, dass seine aus 22 Institutionen zusammengefügte Behörde mit ihren mehr als 180 000 Mitarbeitern die 36 Milliarden Dollar wert ist, die sie jährlich ausgeben darf.
jörn schulz