Produkte, die wir auch nach dem Kapitalismus nicht missen wollen. Wer glaubt schon, dass, durch Änderung der Produktionsverhältnisse, alles gut wird? Weinende Kinder wird es trotzdem geben, wie auch Geschlechtskrankheiten aller Art. Weiterhin werden Fahrradketten verdrecken und Toiletten zu putzen sein. Auch das Aussterben Karies verursachender Bakterien ist nicht zu erwarten, Zahnersatz wird immer noch viel materialisierte Arbeitskraft beinhalten. Es werden uns weiterhin die gleichen Probleme plagen.
Die Produktion von Latexhandschuhen, die durch ihre Eigenschaften Flexibilität und Undurchlässigkeit Großes leisten, ist daher aufrechtzuerhalten. Sie wird dazu beitragen, der revolutionären Gesellschaft soziale und ökonomische Stabilität zu verschaffen. Ein Latexhandschuh wird für Kinder zum Euter einer Kuh, wenn man ihn aufpustet, zuknotet und sich unter den Bauch hält. Malt man ein Gesicht darauf und dreht ihn um, werden die Finger zu Haaren und traurige Kinder wieder froh. Froh macht er auch Menschen, deren sexuelle Lust sich mit dem Bedürfnis nach Schutz vor Infektionen paart. Auch bei Putz- oder Reparaturarbeiten spielen Fingerspitzengefühl und Schmierschutz eine Rolle. Und wer einmal seine Goldkrone davor bewahrt hat, als versunkener Schatz im Abflussrohr zu enden, weiß um des Latexhandschuhs Qualitäten, liegt sein Geldwert auch unterhalb eines Cents.
Solange die Bevölkerung der Weltrepublik aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse gezwungen ist, in der eigenen Scheiße nach Gold zu wühlen, wird sie anerkennend auf die Kollektivbetriebe in der Kautschukverarbeitung blicken und ausrufen: »Danke, GenossInnen!«
ernst lastig