Tatort: Jungle-World-Redaktion; Tatzeit: vermutlich Donnerstag, zwischen 14 und 16 Uhr. Der Täter ist mit einer akribischen Obsession vorgegangen, die Wurstpelle der Marke »Rügenwalder Teewurst«, die auf dem Tisch liegt, ist völlig ausgequetscht. Andere Beweisstücke gibt es nicht, keine verwertbaren Fingerabdrücke, keine Zeugen. Die »Soko Rügen«, die wenige Minuten nach dem grausamen Fund die Ermittlungen übernimmt, steht vor einem Rätsel.
Am Samstag dann die schreckliche Nachricht: Der Täter oder die Täterin hat wieder zugeschlagen. Und wieder ist die einzige Spur eine ausgequetschte Pelle »Rügenwalder Teewurst«. Das muss eine verschlüsselte Botschaft sein. Aber was will uns der Täter oder die Täterin damit sagen? Und warum macht ein Mensch so etwas? Die Antwort liegt irgendwo hier drinnen.
Denn dieser schrecklichen Wahrheit müssen wir ins Gesicht sehen: Einer von uns ist der Täter. Oder die Täterin. Auf jeden Fall lebt diese Person mitten unter uns, gilt als ehrenhafter Redakteur oder tadellose Praktikantin. Doch dieser Mensch führt ein Doppelleben, von dem bislang niemand etwas ahnte, die Kollegen nicht, Freunde und Familie nicht, nicht mal der Sachbearbeiter bei der Agentur für Arbeit.
Eine eilige Befragung der Kollegen, die bis zur Klärung des Falles alle als Verdächtige gelten, bleibt erwartungsgemäß ohne Ergebnis. »Ich bin unschuldig«, sagt die Verdachtsperson Nr. 9 (VP 9). »Ich habe davon nichts gewusst«, gibt VP 3 zu Protokoll. Die üblichen Ausreden. Niemand hat ein stichfestes Alibi. Aber jeder hat ein Motiv.
»Ich bin Vegetarierin«, erklärt VP 1. Aber könnte nicht genau das ein Motiv sein? »Ich habe aus religiösen Gründen nichts mit diesem Schweinekram im Schweinedarm zu tun«, meint VP 12. Aber diese Aussage erhärtet nur den Verdacht: Haben wir es mit fundamentalistischem Terrorismus zu tun? »Mit so etwas urdeutschem habe ich aus Prinzip nichts zu schaffen«, sagt die VP 5. Doch herausreden kann sie sich damit nicht, im Gegenteil. Vielleicht stehen wir vor dem ersten antideutschen Tatmotiv der Kriminalgeschichte. »Rügenwalder? Das ist doch die Werbung mit dem Porno in der Metzgerei«, sagt VP 18. Ein Sexualdelikt also? »Ich habe bei VP 10 schon mal eine Stulle mit Grauwurst gesehen«, flüstert VP 1. Endlich eine heiße Spur? Oder ist sie die wirkliche Täterin, die andere anschwärzt, um von sich abzulenken? Und was ist mit den Ermittlern von der »Soko Rügen«? Wer überprüft die?
So kommen wir nicht weiter. Sicher ist nur, dass wir den Täter finden müssen, bevor er wieder zuschlägt.