23.03.2005

»Alles, was sie anfangen, ist Mist«

small talk

Alle reden vom Jobgipfel. Am Marheinekeplatz in Berlin findet hingegen Tag für Tag der Arbeitslosengipfel statt. Die Jungle World hat sich umgehört.

Was erwarten Sie sich nach dem Jobgipfel?

Hartz-IV-Empfänger, 50 Jahre: Dass sich Hartz-IV-Empfänger mehr dazu verdienen dürfen. Aber von der Obergrenze hab’ ich noch nichts gehört, also kann ich dazu nicht viel sagen. Ich hab’ nur die Überschriften gelesen. Dass die Unternehmenssteuern gesenkt werden.

Finden Sie es gut, dass die Politiker sich zusammengesetzt haben?

Wenn es was nützt, warum nicht.

Was sollte Ihrer Meinung nach gemacht werden?

Das ist alles so festgefahren. Da müsste ’ne Menge passieren. Steuern im allgemeinen runter. Auch die Mehrwehrtsteuer, Verbrauchssteuern, Tabaksteuern zumal. Die Mechanismen der Wirtschaftspolitik, wie sie zurzeit ineinandergreifen, versteh’ ich nicht. Das ist mir alles zu hoch mittlerweile.

Was halten Sie vom Jobgipfel?

Mann, ca. 55 Jahre: Nichts. Hab’ keine Zeit.

Was halten Sie vom Jobgipfel?

Tischlermeister, 62 Jahre: Da kommt nichts raus.

Warum nicht?

Weil das nichts ist. Alles, was sie anfangen, ist Mist.

Was war denn der größte Mist?

Der größte Mist ist: Die machen irgendwas, dann gucken wir mal, wie es wird, und dann ändern wir es wieder. Das Zweite ist: Die müssen langsam mal mit den Steuern runter. Damit der Mittelstand wieder Leute einstellt. Der stellt nämlich die Leute ein.

Aber sie senken doch gerade die Steuern für die Großunternehmen.

Großunternehmen stellen keine Leute ein. Der Mittelstand muss wieder hochkommen. Der hat uns nach dem Krieg hochgebracht. Der Tischlermeister, der Bäcker und der Fleischer. Nicht die Großindustrie.

Warum wird das nicht gemacht?

Weil die einen meinen, sie sind die Guten, und die andern blockieren alles.

Wie finden Sie das, was der Bundespräsident gesagt hat?

Das finde ich gut. Denen einen Denkzettel zu verpassen, ist richtig.

interview: stefan wirner