LeserInnenworld
Jungle World, 10/05: Land auf Warp 7
Hartz IV kann nichts werden
Hartz IV kann gar nichts werden, wir sollten uns darüber klar werden, dass das auch gar nicht beabsichtigt war! In ein paar Jahren werden wir uns fragen, wie hieß denn noch diese Type damals, nach der die Einführung der offenen Gewalttätigkeit benannt war? Heinz, Hart, Hampf, Siebengebirge oder wie? Die Herrschenden wissen, nachdem der Aufstand der faulen Erwerbslosen ausblieb (die sind nicht nur saufaul, sondern auch stumpfsinnigblöde), dass sie mit diesem Volk alles machen können. Hartz XXL kann nicht »gerettet« werden, es ist eh’ Übergangswerkzeug zum Plattmachen. Unsere Gesellschaft zerteilt sich doch in die drei Drittel: Junge bis zur Ausbildung, mit Job und Alte ohne Job. Dass isses!
r.s.
Jungle World, 10/05: Disko
Reaktionärer Romantiker
Spätestens seit der »Dialektik der Aufklärung« gibt es die Unterscheidung zwischen Entfremdung und Verdinglichung. Woher nimmt der Autor sich das (elitäre) Recht, die Leute als entfremdet darzustellen, könnten sie sich nicht vielmehr verdinglicht haben? Damit wären sie emanzipierter als der Autor, wären nicht dem Mythos der Anti-Aufklärung (als der sie sich zunehmend darstellt) anheimgefallen. Reaktionärer Romantiker oder adoleszenzgeschädigter »Ich will auch ficken, aber intellektuell«-nach-68er?
matthias zipser
Patriarchale Rollenstruktur
Zum einen muss zur Internet-Dating-Diskussion angemerkt werden, dass interaktive Kommunikation interpersonale Beziehungen nicht ersetzen soll und kann, sondern die Möglichkeiten der Menschen erweitert, individuell nach Informationen zu suchen, u.a. um einem massenmedial vermittelten Mainstreaming entgegenwirken zu können. Zum anderen fehlt in beiden Artikeln ein Hinweis darauf, dass solche Foren, wie auch Kontaktanzeigen in Printmedien, zur Reproduktion einer patriarchalen Rollenstruktur beitragen.
tom
Jungle World, 10/05: Das ist nicht unser Haus
Künstlich hoch
Brandaktuell gibt es neben den im Artikel genannten noch ein weiteres Opfer des Berliner Liegenschaftsfonds. Die Initiative solar e.V. hat sich fast zwei Jahre um ein Gelände im Berliner Nordosten bemüht, wo sie mit dem Infrastrukturprojekt KuBiZ dem rechten Mainstream Paroli bieten wollte. Nun ist der Traum geplatzt, der Liegenschaftsfonds hat wieder einmal dem finanzstarken Gegenbewerber den Vorzug gegeben. Das Vorgehen und die Informationspolitik des Liegenschaftsfonds werfen hier wie in vielen anderen Fällen die Frage auf, ob das ehrenamtliche Engagement nicht vor allem deshalb durch Aussichten auf einen symbolischen Kaufpreis gefördert wurde, um den Preis künstlich in die Höhe zu treiben.
steff/solar e.v.