Für viele Briten ist das Thema wichtiger als das Liebesleben in der königlichen Familie. Schließlich geht es um eine Tradition, die mindestens ebenso heilig ist wie die Monarchie. Doch trotz aller Proteste wurde die Fuchsjagd verboten. Mitte Februar trat das Gesetz in Kraft, nachdem ein Berufungsgericht eine Klage der Countryside Alliance (CA) abgelehnt hatte.
In der vergangenen Woche verkündete die CA, die sich »für das Landleben« und den »Landsport« einsetzt, jedoch eine stolze Erfolgsbilanz: An 1 000 Jagdtagen wurden 800 Füchse getötet. »Jagden im ganzen Land haben gezeigt, dass es für die bereits überlasteten Polizeikräfte unmöglich ist, das Gesetz durchzusetzen«, frohlockt der CA-Vorsitzende, Simon Hart. Bereits in den Wochen zuvor hatten sich Berichte über illegale Jagden und Auseinandersetzungen mit Tierschützern gehäuft.
Manche konservative Briten fassen ihre Klage über den Traditionsbruch in poetische Worte. »Auf Wiedersehen, angelsächsische Rasse! Lebe wohl, normannisches Blut!« intonierte der Jagdmeister Rikki Bennett. Andere erregen sich darüber, dass selbst linksliberale Zeitungen wie der Observer ihrer Freude über den Bruch des Jagdgesetzes erkennen lassen. »Ich bin schockiert«, bekennt der Leserbriefschreiber Richard Mountford, P. M. Fullerton beklagt sich über »eine kleine, aber lautstarke und arrogante Minderheit, die entschlossen ist, ihre abscheulichen Aktivitäten fortzusetzen«. Derek Mc Millan dagegen hat ein pragmatischeres Anliegen: »Würde die Polizei so freundlich sein uns zu sagen, welche Verbrechen sie sonst noch ignorieren will?«
Die Füchse, die 700 Jahre auf das Jagdverbot warten mussten und nun feststellen, dass es ignoriert wird, greifen offenbar zur Selbsthilfe. Da Hunde die Füchse zerfleischen, während die Jäger nur das blutige Ergebnis betrachten, richtet sich der Feldzug gegen die Vierbeiner. Nahe Hilton Cambs tötete ein Fuchs einen Schäferhund, ein Labrador entkam nur knapp einem Angriff.
jörn schulz