30.03.2005

Wenn Babys schnarchen

platte buch

Das Buch hat den Titel »Ringels Randnotizen« und sieht exakt wie eine Kopie von »Schotts Sammelsurium«, dem Überraschungsbestseller des vergangenen Jahrs, aus. Doch der Band mit nützlichen Listen, z.B. mit den »zehn bekanntesten Pulloverträgern« (Platz 1: Eugen Drewermann) und den »zehn überflüssigsten Experten« (Platz 1: Peter Scholl-Latour) entpuppt sich als Original. Lediglich bei der Covergestaltung scheint sich der Verlag am Erfolgsbuch von Ben Schott orientiert zu haben. Das Kompendium ist eine Verfeinerung des vor einigen Jahren von Ringel veröffentlichten Titels »Das listenreiche Buch der Wahrheit«. Denn: Listen wollen auf dem neuesten Stand gehalten werden.

Eine der hübschesten Listen versammelt die »zehn schönsten Geräusche«, darunter das »Katzenschnurren«, das »ganz leise Singen von Champagner im Glas«, »Babyschnarchen«, »Meeresrauschen« und die »Räder eines Jaguar E-Type, die über den Kies einer Auffahrt rollen«. Streiten lässt sich allerdings über die Platzierungen. So belegt »Champagner« den vierten Platz, zwei Plätze vor »Babyschnarchen« (Platz 6), aber immerhin noch einen vor »Meeresrauschen« (Platz 7). Praktisches Wissen vermittelt auch die Liste mit den »zehn seltsamsten Lobbyisten im deutschen Bundestag«. Dazu hat der Autor aus der 16 000 Lobbyisten fassenden »Öffentlichen Liste« des Deutschen Bundestags die schrägsten ausgewählt und den »Zentralverband Naturdarm« auf Platz eins gesetzt. Das geht in Ordnung.

anne kreby

Michael Ringel: Ringels Randnotizen. Fischer, Frankfurt 2005, 240 S., 8 Euro