Zwischen der Jungle-World-Redaktion und Berlins wichtigstem Drogenumschlagplatz in der Hasenheide, mitten in Kreuzberg, liegt die Botschaft des Vatikans. Am Sonntagmittag weht dort die weiß-gelbe Fahne auf Halbmast, daneben ein schwarzes Banner. Vor dem Tor haben ein paar Leute Blumen hingelegt und Kerzen aufgestellt, das Ganze ist aber recht überschaubar. Von einem Menschenauflauf kann keine Rede sein! Ein paar beleibte Berliner Polizeibeamte stehen herum und wissen nicht recht, was sie tun sollen. Hin und wieder fährt ein fetter schwarzer oder dunkelgrüner BMW an der Apostolischen Nuntiatur – so die offizielle Bezeichnung – vor, das Tor öffnet sich, und drinnen auf dem Hof steigt ein Bischof aus, erkennbar an dem violetten Pileolus, dem Scheitelkäppchen. Einmal ist es sogar ein Kardinal! Jedenfalls hat er ein rotes Käppchen. Sollte er nicht eiligst auf dem Weg nach Rom sein, um dem toten Papst die letzte Ehre zu erweisen und vor allem um einen neuen zu wählen?
Direkt neben der Botschaft befindet sich eine der wenigen funktionierenden katholischen Kirchen Berlins. In der St. Johannes-Basilika hat eine polnische Gemeinde ihre Heimstatt. Und alle Menschen, die dort heute hineinströmen, sind Polen. In der Kirche hat man ein Bild von einem noch recht jungen Johannes Paul II. an den Altar gelehnt, ansonsten ist gerade nicht viel los. Höchstens 40 Katholikinnen und Katholiken verschiedenen Alters sitzen auf den Bänken, beten, hören eine sonore polnische Frauenstimme, die irgendwo aus einem Lautsprecher kommt. »Amen«, sagen sie zwischendurch. Die Stimmung ist eher gelassen, es gibt keine weinenden Omis.
Es soll aber heute schon drei Messen gegeben haben, zuletzt mit rund 500 Leuten. Zwei auf Polnisch, eine auf Deutsch. Das erzählt ein Kollege von n-tv, der vor dem Eingang der Kirche seine Kamera aufgebaut hat und, ob etwas passiert oder nicht, einmal pro Stunde eine Live-Schaltung präsentieren muss. Neben dem Eingang sind zwei große Zeitschriftenstände aufgebaut, die dort aber jeden Sonntag stehen. Sie bieten Boulevardblätter, Sport- und Tageszeitungen und Videokassetten mit Actionfilmen an, alles in polnischer Sprache, versteht sich. Und polnische Süßwaren gibt es auch. Offenbar ist diese Kirche neben der vatikanischen Vertretung so etwas wie die polnische Botschaft in Berlin. Die Sonne scheint, und den Polizisten droht kein besonders anstrengender Tag.
ivo bozic