Der Erste Bürgermeister ist nicht da. Er feiert am Abend des 13. April im Kreise seiner Familie den 50. Geburtstag, bei – das hat Ole von Beust die ihm wohl gesonnene Boulevardpresse wissen lassen – selbst gemachtem Gulasch. Also ist der Präses der Hamburger Innenbehörde, Udo Nagel, als Senatsvertreter anwesend und trägt seinen auffallend gebräunten Teint zur Schau. Im Foyer sagt er später: »Nur vom Skifahren.«
Zusammen mit Bundesinnenminister Otto Schily, Israels Botschafter Shimon Stein und Bonns ehemaligem Emissär in Tel Aviv, Niels Hansen, eilt Nagel den Mittelgang des großen Festsaals im Rathaus entlang. Gesetzte Hanseatenpaare stellen die Konversation ein über bescheidene Zinsvorteile der Citi- gegenüber der Postbank, als das Politpersonal, umgeben von Sicherheitsleuten, vorbeihuscht. Mitten unter ihnen ist Waltraud Rubien, die Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hamburg. Die Gründung der Hamburger Sektion der Deutsch-Israelischen Gesellschaft vor 30 Jahren soll gefeiert werden, hier und anschließend nebenan im imposanten Gebäude der Handelskammer, die als eigentliches Machtzentrum zu bezeichnen nicht wenigen in der Stadt ein großes Vergnügen bereitet.
Die große Prominenz freilich ist aus einem anderen Grund da: wegen des 40. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel. Dass dafür Außenminister Joseph Fischer keine Zeit hat, verwundert ja nicht in diesen Tagen. Doch warum tangiert das Verhältnis der Deutschen zu Israel offenbar am ehesten das Innenressort?
Der zuständige Bundesminister lobt das Errungene und mahnt zur Ausdauer, geißelt die Rede vom »Bombenholocaust« und den radikalen Islamismus und wagt einen »Blick in die Zukunft«. Wie es nach weiteren 40 Jahren um das israelisch-deutsche Verhältnis stehen werde, fragt sich neben den 500 Anwesenden auch der israelische Botschafter Shimon Stein. Er sagt, dass er beiden Staaten eine weitere verbindende Säule mit stabilem Fundament wünsche, neben jener von »Erinnerung, Scham und Geschichte«: eine Säule der gemeinsamen Interessen. Welche das sein könnten, stellt die von Stein besonders in die Verantwortung genommene »Zivilgesellschaft«, wie sie sich herausgeputzt an diesem Abend eingefunden hat, schon mal zur Schau, beim disziplinierten Gang ans Büffet und zur Geburtstagstorte.
alexander diehl