Sie waren ein Paar wie Pech und Schwefel. Selbst Kriegsrecht, Hausarrest und General Jaruzelski konnten ihrer liaison dangereuse nichts anhaben. Mit Hilfe des Papstes streikten sie am Ende sogar den Sozialismus kaputt. Doch jetzt ist Schluss mit der Verbindung, die für die Ewigkeit gemacht schien.
Denn nun will sich Lech Walesa von der Gewerkschaft Solidarnosc trennen, deren Vorsitzender er seit September 1980 war. Nach der Feier zum 25jährigen Bestehen der Solidarnosc im August dieses Jahres werde er seinen Austritt erklären. Man habe sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt. »Ich habe das Gefühl, dass ich immer weniger gebraucht werde«, kommentierte Walesa seine Entscheidung. Der nunmehr verschmähte ehemalige Liebling zu sein, ist aber lediglich die halbe Begründung für Walesas Austritt. Die Mitgliederzahlen von Solidarnosc schwinden, von 10 Millionen Anhängern am Anfang der achtziger Jahre sind noch 600 000 übrig. Nicht nur die Mitgliederzahl und die Bedeutung der Gewerkschaft scheinen zu schwinden, sondern auch ihre eisern antikommunistische Grundhaltung. Vielerorts gibt es rege Verbindungen zwischen Solidarnosc-Mitgliedern und Postsozialisten. Über die Einladung des ehemaligen realsozialistischen Ministers und amtierenden polnischen Präsidenten, Aleksander Kwasniewski, zur Jubiläumsfeier von Solidarnosc streitet man immer noch. Die Mitwirkung am weiteren Niedergang seiner treuen Begleiterin umgeht Lech Walesa mit seinem Austritt. Dabei heißt es doch eigentlich: »in guten wie in schlechten Zeiten«.
markus ströhlein