20.04.2005

Magischer Klang

liebe ware

Produkte, die wir auch nach dem Kapitalismus nicht missen wollen. Der Mensch wird immer elektrischer. Früher schrieb man sich Briefe, nun schickt man sich SMS, MMS und E-Mails. Ein Zurück gibt es nicht. Im Postamt gibt es nicht mal mehr einzelne Briefmarken zu kaufen. Und auch die Postämter selbst werden immer rarer. Zu Weihnachten bekommt man eine E-Card, und die Nachrichten liest man im E-Paper, der elektronischen Tageszeitung. Da kann man zwar keine Fische drin einpacken und keine Buchstaben ausschneiden für Erpressungsschreiben, aber kostbare Ressourcen werden geschont: Unser Freund, der Baum, lebt.

Papier hat einen schlechten Ruf. Es steht quasi für den Aufschub, für das leere Versprechen. Wer Pläne schmiedet, aus denen nichts wird, ist ein Papiertiger. Geduldig sei es, sagt man, das Papier. Und wie viele Gedichte und Songs wurden auf das leere Blatt Papier geschrieben, das vor einem liegt.

Dabei ist es so ein schönes Wort: Papier. Wenn man es nur oft genug wiederholt, dann bekommt es einen magischen Klang. So schön französisch, elegant, leicht frivol. Papiergeld, das klingt doch fast so, als ob es kein echtes Geld sei, Spielgeld vielleicht. Geschenkpapier: Das ist schon so gut wie das Geschenk selbst.

Alles Gute ist aus Papier, außer den Papieren, aber die sind inzwischen weitgehend elektronische Identitycards. Liebesbriefe, Bücher, Wochenzeitungen. Taschentücher. Schiffchen. Rettet das Papier! Erst wenn das letzte Blatt Papier vom Globus gefegt wurde, werdet ihr feststellen, dass man sich mit dem Computer nicht den Hintern abwischen kann!

ivo bozic