Wenn man bedenkt, dass der in Göteborg aufgewachsene Argentinier José González mit manchen seiner Songs sogar in den schwedischen Top 10 war, dann wird einem das Elend deutscher Mainstream-Charts umso bewusster. Weil es eben doch geht: mit nicht mehr als einer gezupften klassischen Gitarre und einer, zugegeben, ausgesprochen tollen Stimme Songs zu schreiben, die in ihrer so schlichten wie melancholischen Bescheidenheit ergreifend sind und die, obwohl sie so gut sind, dennoch im Radio gewürdigt werden.
González schreibt Songs, die lange nachhallen, im Körper und im Kopf. Unpathetisch vorgetragene Geständnisse, die einen trotz ihrer intimen Nähe niemals vergessen lassen, dass sie jemand geschrieben hat, der gründlich erarbeitete Lektionen in Harmonielehre immer wieder in Frage stellt. Manchmal erscheint »Veneer«, González’ jüngstes Album, wie eine flüchtige Erinnerung an Südamerika, mit seinen subtilen Anklängen an Bossa Nova oder Salsa. Vor allem aber ist das Album aus kluger Reduktion gewonnene Hypnose: Die Songs ziehen kreisartige Bahnen um sich selbst und so den Zuhörer in einer langsamen spiralenförmigen Bewegung vorsichtig nach oben.
Im Großen und Ganzen sind die Stücke dieses Mannes ziemlich eigen. Trotzdem darf man beim Hören gerne an Joao Gilberto, Nick Drake oder die ruhige, songorientierte Seite eines Jim O’Rourke denken. Gonzaléz wäre mit diesen Referenzen vermutlich sehr einverstanden.
michael saager
José González: Veneer (Peacefrog/Agenda)