Geschenk der Natur

liebe ware

Produkte, die wir auch nach dem Kapitalismus nicht missen wollen. Vom Pflanzenreich dieser Erde werden jährlich rund 150 Milliarden Tonnen Zucker erzeugt. Davon werden lediglich 120 Millionen Tonnen für die menschliche Ernährung aus Zuckerrüben und Zuckerrohr kristallin gewonnen. Zucker polarisiert wie kaum ein anderes Nahrungsmittel: Vitaminräuber, Dickmacher, Kariesverursacher? Oder Süßungsmittel, Aroma- und Geschmacksträger, Speise der »Götter und Seligen«? Die Vorliebe für Süßes ist jedem Menschen eigen. Zucker ist in der Menschheitsgeschichte eng verbunden mit der Liebe und anderen leiblichen und geistigen Entzückungen. Madame de Staël, eine im 18. Jahrhundert von Napoleon verbannte oppositionelle Schriftstellerin und Salondame, schrieb: »Häufig ziehe ich die Inspiration durch Zuckerwerk derjenigen vor, die mir schöne Männer zu geben wissen.«

An Karies haben die Menschen damals wohl noch nicht gedacht. Heute wissen wir, trotz aller Miesmacher und Ernährungsapostel: Ein sauberer Zahn wird nicht krank durch Zuckergenuss. Wer ab und zu Süßes isst, wird nicht zuckerkrank. Zucker macht auch nicht dick. Zu hohe Kalorienzufuhr und vor allem Bewegungsmangel sind heute die Hauptursachen für Übergewicht.

Und Zucker ist Nervennahrung, wie sich während der Abo-Kampagne der Jungle World im letzten Jahr gezeigt hat. Der Geschäftsführer hat Beziehungen zur Zuckerindustrie. Er organisierte Zucker und Gummibärchen. Mit deren Hilfe erreichte man am Jahresende das Ziel. Schon das beweist, wie unentbehrlich Zucker ist.

jürgen rudnick

Der Autor ist Rübenmanager in Uelzen

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