Ketten bilden

platte buch

Es gab in der FAZ einmal eine richtig schöne Serie von Marc Degens, die den Titel »Unsere Popmoderne oder Das Beste aus schlechten Büchern« trug. Jetzt sind die Texte als Buch erschienen. Die Anthologie versammelt – fiktive, von Degens erdachte – Romane, von denen man je eine kurze Textprobe bekommt sowie den dazugehörigen Klappentext. Zum Beispiel Arnout Beermanns Genua-Roman »Wir müssen Ketten bilden!« Textprobe: »Wir alle waren friedlich gewesen. Der Protestzug hielt vor der Absperrung, wir skandierten Sprechchöre – keine Gewalt.« Doch die Polizei wird sogar extrem gewalttätig. Dazu der Klappentext: »In der schmalen autobiographischen Erzählung ›Wir müssen Ketten bilden!‹ verarbeitet der 18jährige niederländische Schüler Arnout Beermans seine alptraumhaften Erfahrungen und Erlebnisse, die er im Juli des Jahres 2001 während der Demonstration gegen den G 8-Gipfel in Genua gesammelt hat.« Außerdem erfährt man, dass sich das Buch in den Niederlanden binnen weniger Wochen zum Bestseller entwickelt hat und dass der Romancier Adrianus Franciscus Theodorus van der Heijden es als das erschütterndste Buch würdigte, das er seit Jahren gelesen hat.

Nach diesem Muster werden 27 weitere Titel vorgestellt, darunter Raverprosa, Netzliteratur, Sportromane, Erotik-Diarys und was der Buchmarkt sonst noch hergibt. Degens hat den Literaturbetrieb so maßstabsgetreu wie ein Modelleisenbahner nachgebaut. Thomas Kapielski, der ein kurzes Vorwort zum Erzählband beisteuerte, ist absolut im Recht, wenn er schreibt: »Das Buch ist gut.«

heike runge

Marc Degens: Unsere Popmoderne oder Das Beste aus schlechten Büchern. Sukultur, Berlin 2005, 138 S., 12 Euro