LeserInnenworld
Jungle World, 17/05: Preußen in unserer Zeit
Seelenlose Moderne
Eine Studentin und Jungle-World-Leserin sucht ein WG-Zimmer in Berlin/Hamburg. Was schreibt sie in die Suchanzeige? Studentin sucht WG-Zimmer in Kreuzberg/Friedrichshain, Ottensen/Schanzenviertel. Altbauviertel werden bevorzugt. Der geplante Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses ist verknüpft mit der Sehnsucht nach einer Rückbesinnung auf – alte – kleinteilige europäische Baukultur und eine Absage an eine oft seelenlose Moderne. Diese Sehnsucht ist nicht reaktionär oder nationalistisch. Die Sprengung alter Stadtteile in Berlin nach 1945 (und die damit verbundene Zerstörung der baulichen Zeugnisse jüdischen Lebens) knüpfte meines Erachtens – wenn vielleicht auch unbeabsichtigt – an die Baupolitik der Nationalsozialisten an. Die Führung weiß, was das Volk wünscht: breite Autostraßen, Betonareale für Massenaufmärsche und genormte Plattenbauten für die (Volks-) Genossen.
markus erich-delattre
Jungle World, 17/05: Hinterrücks zur Revolution
Die Moral von der Geschicht’
Ja, ExistenzgeldlerInnen sind unmoralisch! Was der Autor nicht weiß, dass all die von ihm aufgezählten Kräfte einer Geheimloge angehören. Wissen sie doch, dass Existenzgeld nicht Appell an, sondern Attacke auf den Staat ist. Ihre Geheimlehre, dass Markt und Privateigentum an den Produktionsmitteln nicht das System, sondern lediglich zwei von mehreren möglichen seiner Randbedingungen seien, die – je nach Mix – Kapitalismus, Sozialismus oder Faschismus hervorbringen würden. Jenes System habe Zurichtung des Menschen zum dressierten Affen zur Voraussetzung, Blödheit zur Folge. Solche Zurichtung zu organisieren, sei Aufgabe von Staat und Institutionen. Deren derzeit wichtigste sei die Arbeitsagentur. Daher richtet sich die ExGeldforderung zuerst gegen diese. Zu Beginn und Ende ihrer Zusammenkünfte verspritzen die Logengeschwister Menschenblut und sprechen den Satz: »Alles wird schlechter, nur eins wird besser: Die Moral wird schlechter!« Es ist also alles noch viel, viel unmoralischer, als Baum glauben würde.
werner braeuner
Jungle World, 17/05: Gottes willige Vollstrecker
Zum Wohle der Menschen
Papst Benedikt XVI. zählte aufgrund seiner Intelligenz schon als Kardinal Ratzinger zu den »Auserwählten«. Ihm ist zuzutrauen, dass er eine historische Einigung zustande bringt. Eine Einigung aller Christen und darüber hinaus der Gläubigen aller Religionen, gegen die Diktatur des Geldes, gegen Krieg und Unterdrückung, gegen die Drahtzieher, Propagandisten und Vasallen von »Eliten« und falschen Propheten, die sich am Unglück der Massen bereichern. So könnte Papst Benedikt XVI. zum Wohle der Menschen Geschichte machen.
dr. erich schäfer