01.06.2005

Einmal für immer

platte buch

Electrelane? Das geht so: Sich von der Dissonanz, dem Krach, der Collage, sich von der grundsympathischen Trotzidee des Nicht-mitmachen-Wollens geradewegs in die andere Seite von Musik, in Schönheit zu verwandeln. In Schönheit aus schnuckeligen Melodien und elliptischen Songschleifen, wie sie vor Electrelane andere tolle Too-Pure-Bands wie Laika, Pram, vor allem natürlich die frühen Stereolab gebastelt hatten.

Weil Electrelane aber ein ganz und gar sympathisch misstrauischer, albern-ernster, renitenter und überaus zerstörungswütiger Haufen sind, macht früher oder später die fiese Gitarre eine Tür auf und haut kräftig auf den Kopf des gerade erschaffenen frühsommerlichen Song-Dings, das dann etwas belämmert guckt, dieses Verfahren aber schon kennt und sich einigermaßen gelassen zur Seite trollt.

Electrelane – gute Menschen wissen das – sind ein Wunder aus leierigen Orgeln, verschwurbelten Gitarren, wie man sie aus seligen Tagen von SST kennt, stoischen Drums, Sturzklavier und ein oder zwei singenden Stimmen. Ihre Musik ist Kraut (Neu!), Indie-Pop (Yo La Tengo), Noise, ein Besuch im New York der frühen Achtziger, Kunst (ohne Kacke), Kinderlied und Kirmes auf LSD. Vielleicht sind Electrelane – wie der Musikredakteur dieser Zeitung hartnäckig behauptet – wirklich »die beste Band des Universums«. Aber auch wenn nicht, ist eines sicher: Wer einmal Fan der vier Engländerinnen ist, wird es verdammt lange bleiben. Wahrscheinlich für immer.

michael saager

Electrelane: Axes. Too Pure/Beggars Group