»Immer ein Stück weiter« lautet das diesjährige Motto der Kunstbiennale in Venedig. Im Hinblick auf die Zensur haben die Stadtbehörden zweifellos neue Maßstäbe gesetzt. Sie verboten es Gregor Schneider, einen der Kaaba ähnelnden Kubus auf dem Markusplatz aufzustellen. Der Künstler kritisierte gegenüber der FAZ die Entscheidung, die »nach Gesprächen, die mit Rom geführt wurden«, gefallen sei.
Kommentiert wurde das Verbot von Welt bis taz überwiegend kritisch, doch Dirk Schümer unterstützt in der FAZ die Entscheidung der Behörden. Der »Riesenwürfel«, der die »Schlangestehenden behinderte«, sei dem Markusplatz »schon aus ganz formellen Gründen nicht zuzumuten«. Vor allem aber dürfe man aus Sicherheitsgründen kein Risiko eingehen. »Im Unterschied zu frommen Christen, die sich in der Regel gewaltlos ärgern, greifen muslimische Eiferer nämlich mehr und mehr zu den Waffen.«
Während in früheren Fällen die Zensur »islamfeindlicher« Kunstwerke immerhin erst gefordert wurde, nachdem wenigstens einige Muslime sich tatsächlich aufgeregt hatten, wurde in diesem Fall das Verbot ausgesprochen, weil Muslime sich ereifern könnten. Und das zum Unwillen vieler Muslime. Das Verbot sei »nicht förderlich für den Dialog zwischen Muslimen und Christen«, meint Nadeem Elyas, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Schließlich sei es »nicht verboten, die Kaaba darzustellen«.
Es gibt Kaaba-Bildschirmschoner und Kaaba-Parfüm (»der Höhepunkt des Göttlichen in einer heiligen Aura«), Nachbildungen des Heiligtums werden in unzähligen Versionen zum Kauf angeboten. Mit etwas Fingerspitzengefühl kann jeder tun, was Gregor Schneider verwehrt blieb. Basteln Sie sich Ihre Kaaba selbst!
jörn schulz