29.06.2005

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Wir wissen nicht, ob das Mädchen namens Yssabeau je gelebt hat und ob es François Villon war, der sie anbetete oder Paul Zech (nur Klaus Kinski kam später). Doch das ist gleich, ebenso, dass John Lennons Erdbeerfeld in Wirklichkeit ein Waisenhaus war. Wer je geliebt hat, erinnert sich genau an die endlosen Felder, hat selbst Yssabeaus Erdbeermund geküsst und die peinvolle Sehnsucht des Dichters erlebt: »Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund / Ich schrie mir schon die Lungen wund / Nach deinem weißen Leib, du Weib.«

Wie dieser Erdbeermund, wie die Liebe selbst, ist auch die Erdbeere keine allein gegenständliche Erscheinung. Mindestens zur Hälfte ist sie ein Produkt der Phantasie. Behutsam nimmst du den zierlichen Stiel zwischen deine Fingerspitzen, führst die leuchtend rote und betörend duftende Frucht an deinen leicht geöffneten Mund. Ein zarter Flaum kitzelt deine Lippen, die du über die Frucht gleiten lässt, du spürst die winzigen Poren, und wenn du die richtige Stelle erreicht hast, beißt du zu. Nicht zu zaghaft, nicht zu hart. Das weiche, verletzliche Fleisch löst sich in deinem Mund auf, du schmeckst den herrlich süßen und leicht sauren Saft, der sich mit deinem Speichel mischt und deine Zunge benetzt, du hörst die Körnchen zwischen deinen Zähnen knacken. Und während du den kümmerlichen Rest dieser wollüstigen Frucht zwischen deinen ermattenden Fingern hältst, ahnst du: Du hast nicht einfach Obst gegessen.

Unsere strawberry fields sind ein kleiner Stand am U-Bahnhof, die Erdbeeren wurden wenige Minuten nach der Ernte im Mecklenburgischen in die Stadt befördert und sind so frisch und reif, wie sie nur sein können. Nun vergeht kein Tag, an dem nicht ein üppiger Korb voller prächtiger Erdbeeren die Redaktion schmückt. Manchmal gibt es auch Vanilleeis (dann die Erdbeeren leicht quetschen, darauf das kalte Eis), mitunter werden auch honigsüße Kirschen und orangefarbene Melonen kredenzt. Doch eine Orgie für dich allein bietet dir nur die Erdbeere. Noch schöner freilich ist die Liebe zu dritt, wie wir spätestens seit den neuneinhalb Wochen mit Kim, Mickey und der Erdbeere wissen.

Wenn wir unser Reiseziel erreichen, werden die Felder schon geerntet sein. In diesem Land soll ohnehin die Wassermelone bei Liebesspielen bevorzugt werden. Wie auch immer, wir freuen uns darauf, Ihnen zurufen zu können: »Let me take you down, ’cos I’m going to Strawberry Fields / Nothing is real, and nothing to get hung about / Strawberry Fields forever.«