10.08.2005

Wettbewerb der Ideen

supermeldung

Wenn ein Konservativer sich liberal gibt, will er meist die Akzeptanz einer reaktionären Idee im Namen der Meinungsfreiheit erzwingen. »Ich denke, dass es ein Teil der Ausbildung ist, die Menschen mit verschiedenen Denkschulen zu konfrontieren«, sagte US-Präsident George W. Bush in der vergangenen Woche vor texanischen Reportern. »Sie fragen mich, ob die Menschen mit verschiedenen Ideen konfrontiert werden sollten oder nicht, die Antwort ist ja.« Die Idee, die Bush am Herzen liegt, ist das »intelligent design«, eine religiöse Lehre, der zufolge die Komplexität der Lebensformen nur durch den Einfluss einer höheren Macht erklärt werden kann. Sie soll gleichberechtigt neben der von Charles Darwin begründeten naturwissenschaftlichen Evolutionstheorie gelehrt werden.

Einfluss auf die Schulpolitik hat der Präsident kaum, dennoch war die christliche Rechte erfreut über die Unterstützung von höchster Stelle. Susan Spath vom National Center for Science Education dagegen kritisierte die Gleichsetzung einer wissenschaftlichen Theorie mit »einer sektiererischen religiösen Ansicht«. Bush, der in letzter Zeit weitaus mehr Probleme mit dissidenten Republikanern als mit der demokratischen Opposition hat, scheint jedoch die Notwendigkeit zu sehen, die christliche Rechte mit einer Geste zu beglücken, die ihn zunächst einmal nichts kostet.

jörn schulz