17.08.2005

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Noch immer liegt der unverkennbare Duft von Anis über den Redaktionsräumen. Zwölf Flaschen Rakı, das ist Rekord. Wenig ist übrig geblieben von der kleinen, aber wilden Party, die wir in der vorigen Woche in der Bergmannstraße feierten, um uns schon mal auf unsere Reise nach Istanbul einzustimmen. Ein Berg Fladenbrot, ein paar Flaschen Cola und etwas Mineralwasser. Der Rest ist verzehrt, vertilgt, ausgetrunken. Vier Fässer Bier fanden gierige Abnehmer.

Auch von dem großartigen, überwältigenden und unglaublichen Büffet, für das die Familie Yücel gesorgt hatte, blieben nur ein paar Krümel übrig. Kein Wunder, denn es war ein Büffet der Süperlative. Es gab Auberginensalat, Köfte, die berühmten türkischen Bouletten, auch Linsenköfte, Bohnen-Piyaz, Kavurma, das vorzügliche Rindfleisch, das umgehend süchtig macht, gefüllte Teigtaschen namens Pohça, Cacık (Tsatsiki), gefüllte Weinblätter, Melonen, Trauben und vieles mehr. An dieser Stelle sei Esma Yücel, Ziya Yücel und der kleinen Aylin Günes herzlich gedankt. Hersey için çok tesekküler! Gene bekleriz!

Es stimmte einfach alles, von der türkischen Popmusik über die zahlreichen Gäste, die selbstredend auch aus Kreuzberg kamen, bis zu den Nachbarn, die spät nachts noch anriefen und um Milde baten. Nur ein einziges Mal bemühten sie die Polizei. Und die Beamten waren derart angetan, dass sie fast selbst mitgefeiert hätten, wenn ihnen Ziya nicht sanft und diskret den Weg zum Ausgang gewiesen hätte. »Schönen Abend noch!« rief er ihnen mit entschlossenem Unterton nach.

Aber fragen Sie uns besser nicht, wie wir den Tag danach verbrachten. Ja, wir versuchten eine Sitzung abzuhalten. Ja, wir gaben es schließlich auf. Aber wie es oft so ist: in Zeiten enormer Belastung wachsen einem ungeahnte Kräfte, und die vorliegende Ausgabe ließ sich leichter fertig stellen, als wir es anfangs dachten.

Vielleicht lag es ja doch an diesem Wundergetränk Rakı, das uns noch tagelang im Blut steckte. Übrigens, der unvoreingenommene Leser des Koran weiß, dass der Prophet und sein Ghostwriter, der Erzengel Gabriel mit dem direkten Draht nach ganz oben, gar nichts gegen Rakı einzuwenden hatten. Im Koran ist ausschließlich von Wein die Rede, und in zwei von drei Versen, die sich ihm widmen, wird er durchaus differenziert beurteilt. Dass übermäßiger Weingenuss auch negative Folgen haben kann, würden ja nicht einmal wir bestreiten. Aber Bier und Rakı passen hervorragend zusammen, das hat der vorige Donnerstag bewiesen. Schluck.