Gut gekleidet

Mutmaßlicher Attentäter verhaftet

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Über ein Jahr hatte die spanische Polizei jede Spur des Marokkaners Abdelmajid Bouchar verloren. Vergangene Woche wurde bekannt, dass er, der als flüchtiger Hauptverdächtiger der Anschläge vom 11. März 2004 in Madrid gilt, vor einigen Wochen zufällig in Serbien festgenommen worden war. Nach dem 22jährigen wurde seit April vergangenen Jahres international gefahndet. Damals hatten sich in einer Wohnung in der spanischen Stadt Leganés sieben Islamisten nach einem Schusswechsel mit der Polizei in die Luft gesprengt, um sich nicht einem weltlichen Gericht stellen zu müssen. Sie gelten als Hauptverantwortliche für die Anschläge, bei denen 192 Menschen ums Leben kamen. Bouchar konnte damals kurz vor der Razzia fliehen, in den Überresten des Hauses wurde sein Ausweis sichergestellt; vier weitere Verdächtige werden weiterhin gesucht.

Der Marokkaner soll Ende Juni während einer Routinekontrolle in einem Zug nach Belgrad wegen Verstoßes gegen das Ausländergesetz verhaftet worden sein. Er trug einen gefälschten irakischen Ausweis auf den Namen Midhat Salah bei sich. Nach Angaben des serbischen Innenministers, Dragan Jocic, fiel er den Polizisten auf, da er »extrem gut gekleidet« gewesen sei. Als sich herausstellte, dass seine Papiere gefälscht waren und er außerdem »null Kooperationverhalten« zeigte, wurden seine Fingerabdrücke an Interpol weitergeleitet. Vergangene Woche wurde er dann als der vermeintliche Attentäter identifiziert.

Spanien und Serbien loben sich nun gegenseitig wegen der »gut funktionierenden« Zusammenarbeit, und der spanische Innenminister, José Antonio Alonso, ließ die Gelegenheit nicht aus, sich erneut für einen uneingeschränkten Datenaustausch zwischen den europäischen Ländern einzusetzen. Dass einer der meistgesuchten Terroristen mehrere Wochen in Abschiebehaft sitzt, bevor er identifiziert werden kann, zeigt aber, dass die Festnahme mehr ein glücklicher Zufall als das Ergebnis internationaler Fahndungsarbeit war.

Der spanischen Regierung kommt dieser Erfolg sehr recht, hat sie doch derzeit genug Probleme, da immer neue Informationen über das Versagen der Polizei und des Geheimdienstes im Vorfeld der Anschläge enthüllt werden. Bouchar soll nun möglichst schnell an Spanien ausgeliefert werden.

torsten mense