Last Exit Afrika

Mike Tyson auf neuer Mission

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Der ehemalige Boxprofiweltmeister Mike Tyson will ein neues Leben beginnen. Im Juni 2005 hat der Schwergewichtler noch einen äußerst blamablen Kampf abgeliefert. Dabei hat er die Nerven verloren, Tiefschläge ausgeteilt, im Clinch wieder einmal versucht, seinem Gegner den Arm zu brechen, und ihn schließlich mit einem Kopfstoß verletzt. Doch all dies half nichts, nach einem Niederschlag gab er erschöpft auf. Von den Zuschauern wurde er ausgepfiffen und mit Pappbechern bombardiert.

Nach dem Kampf erklärte er, sich endgültig aus dem Boxsport zurückziehen zu wollen. Er könne zwar weiterhin jeden schlagen, aber nicht »Vater Zeit«. Er wolle nun völlig neue Wege gehen und Missionsarbeit in der »Dritten Welt« leisten. Tyson, der drei Jahre wegen Vergewaltigung im Gefängnis saß und währenddessen zum Islam konvertierte, sagte weiter: »Es ist an der Zeit, mein Leben anders zu gestalten und ein Vater zu sein, der sich um seine Kinder kümmert.« Es gebe da ein christliches Missionswerk, das daran interessiert sei, ihn nach Bosnien und Ruanda zu schicken; er wolle notleidende Menschen in verschiedenen Ländern mit Lebensmitteln und Hilfsgütern unterstützen.

Während die Sportwelt Tyson als gebrochenen Mann verabschiedete, erhielt er von dem bisher ungeschlagenen Schwergewichtsprofi Samuel Peter eine Einladung nach Afrika. Der in den USA boxende Peter wird auch »der nigerianische Alptraum« genannt. »Es wäre eine große Ehre für mich, einen der größten Champions der Geschichte nach Afrika zu bringen, so dass wir das Bewusstsein der Leute für die Probleme der Region steigern könnten.« Er sei sehr von der Missionsidee beeindruckt, denn Tyson sei wie ein Gott für die Menschen in seinem Land.

Peters Promoter Dino Duva ergänzte, es wäre eine enorme Hilfe, wenn der härteste Schwergewichtspuncher der letzten 20 Jahre den neuen Knockout-König in eine Region begleite, die so verzweifelt Beistand brauche. Allein die Tatsache, dass beide dort seien, würde die Stimmung heben und die nötige Aufmerksamkeit auf diesen Kontinent lenken, der durch Krieg, Hunger und Aids verwüstet sei.

Duva war es allerdings auch, der im Juli auf einer Pressekonferenz vor dem letzten Kampf Peters sagte, dass die gemeinsame Reise von Tyson und Peter erst später stattfinden solle – nach ein paar weiteren Kämpfen im Ring. Die »Missionierung« zwischen den Seilen hat also doch erst mal Vorrang bei Peter, und er zog auch sogleich, an seinen Gegner Sykes gewandt, in einen Krieg der Worte: »Ich werde dich bestrafen und k.o. schlagen.«

Ob der gefürchtetste Gegner aller Zeiten zum Missionieren kommen wird, ist allerdings nicht nur deshalb ungewiss. Vor seinem letzten Debakel gestand Tyson: »Ich habe nur gekämpft, weil ich meine Rechnungen bezahlen muss.« Nun dürfte er völlig damit ausgelastet sein, Überzeugungsarbeit bei seinen Gläubigern zu leisten, bei denen er mit rund 35 Millionen Dollar in der Kreide steht.

heiko wegmann