Picknick in der Honigwabe

platte buch
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Der gute Frank Black ist alt geworden. Im letzten Jahr ließ er die glorreiche Vergangenheit wieder aufleben und beglückte die Welt mit der Pixies-Sellout-Tour. Vorher ging er noch ins Studio, um eine richtige Country-Platte zu machen. Einen gewissen Hang zur Country-Musik hatte er ja schon immer: Bereits auf seinen beiden vorherigen Soloalben »Black Letter Days« und »Show me your Tears« experimentierte er gerne mal mit Country-Elementen und -Instrumenten. Zusammen mit den nur schwer zu zügelnden genialen Spinnern seiner Band The Catholics entwickelte er daraus zuletzt eine eigentümliche und dynamische Mischung aus Rock’n’Roll und Südstaatenblues.

Sein zwölftes Soloalbum hat er nicht mit The Catholics, sondern mit Studiomusikern in Nashville, Tennessee, der Hauptstadt der Countrymusik, aufgenommen. Die Musiker haben schon mit John Lennon, Bob Dylan und Johnny Cash zusammengearbeitet und brauchten nur vier Tage, um »Honeycomb« einzuspielen. Leider klingt die Platte auch genauso. Routiniert und handwerklich gut, aber ohne das widerspenstige Charisma der älteren Black-Platten dudelt sie in einer Mischung aus Country und Folk vor sich hin. Bei der einschmeichelnden Einfachheit der Melodien und Rhythmen wippt der Fuß zwar ab und zu mal mit, aber auch nach mehrmaligem Hören kriegt dieses Album einfach keine weiteren Dimensionen. Auch Blacks sonst chronisch überforderte weinerliche Stimme kommt bei der Gediegenheit der Songs nicht ein Mal zum Kippen. Neben elf Eigenkompositionen finden sich auf dem Album drei Coverversionen von älteren Country-Songs, darunter der Klassiker »Dark End Of The Street« und ein Elvis-Cover. Im Duett mit seiner ehemaligen Frau singt Black: »We were aiming so high, it’s so strange to be saying goodbye«. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Abgesang nicht auf sein musikalisches Schaffen gemünzt ist und der alte Frank Black nach diesem Exkurs demnächst wieder richtigen Rock’n’Roll macht.

josefine haubold

Frank Black: Honeycomb (Cooking Vinyl)