Peter Ridder betreibt die kleine Pizzeria »Don Pietro« im Istanbuler Viertel Cihangir. Gegenüber, im »Kay’s«, einem der wenigen Restaurants mit Schweinefleischgerichten, sprachen wir mit dem gebürtigen Rheinländer.
Wie lange leben Sie in Instanbul?
Seit 30 Jahren.
Was hat Sie zur Emigration bewogen?
Die Liebe. Ich war in Krefeld mit einer Türkin verheiratet. Wir sind zusammen hergezogen.
Wollen Sie eines Tages zurückkehren?
Nein. Ich fühle mich hier sauwohl.
Sie betreiben eine kleine Pizzeria, wie kamen Sie auf die Geschäftsidee?
Die Idee ist hier im »Kay’s« an der Theke entstanden. Ein italienischer Fünf-Sterne-Koch meinte, warum macht ihr nicht eine Pizzeria? Und dann habe ich mich mit dem Inhaber vom »Kay’s« zusammengetan und gesagt, das versuchen wir mal.
War es einfach, das Geschäft aufzubauen?
Einfach ist hier nichts. Wegen der Bürokratie. Wir haben über 13 Monate gebraucht, bis wir den Laden öffnen konnten. Da gab es so viele Formalien.
Konnten Sie Türkisch, als Sie hierher zogen?
Nein. Ungefähr nach einem Jahr kam das so langsam. Ohne Schule. Ich habe die Sprache von den Leuten gelernt. Heute habe ich ein sehr reichhaltiges Vokabular, aber ob die Grammatik immer stimmt, weiß ich nicht.
Finden Sie es wichtig, dass man, wenn man im Ausland lebt, die Sprache beherrschen sollte?
Auf jeden Fall. Das gilt auch für Türken, die in Deutschland leben. Um Land und Leute zu verstehen, sollte man die Sprache sprechen.
Mussten Sie sich auch sonst kulturell umstellen?
Am Anfang, als ich hierher kam, waren die Menschen toleranter. Anfangs saßen in dieser Kneipe an drei Tischen Leute, die gefastet und auf den Sonnenuntergang gewartet haben, und nebenan am Tisch trank man Alkohol. Das ist heute so nicht mehr vorstellbar.
Woran liegt das?
Weil der Islamismus immer stärker in das Alltagsleben eingreift. Das ist eine Entwicklung, die bis heute anhält.
Sollte die Türkei in die EU aufgenommen werden?
Ich weiß nicht, ob das für die Türkei so gut wäre, also aus wirtschaftlichen Gründen. Aber dass die europäische Seite nach all diesen ganzen Zusagen jetzt solche Schwierigkeiten macht, finde ich nicht in Ordnung.
interview: ivo bozic