12.10.2005

Das Beste von beidem

platte buch

Punks und Clubgänger können einander nicht riechen. Clubmusik ist für Punks ein funktionales Blubbern, zu dem Möchtegern-Snobs überteuerte Cocktails in »Lounges« genannten Kneipen trinken. Punk ist für die Clubgänger wiederum das Dröhnen, das aus den Ghettoblastern der unansehnlichen Gestalten kommt, die an Bahnhöfen um Kleingeldspenden bitten. Um den vermeintlichen Antagonismus zwischen den popkulturellen Nischen haben sich Dakar & Grinser noch nie gekümmert. Auf ihrem ersten Album »Are you really satisfied now?« von 1999 gab es eine Coverversion des Stooges-Songs »I wanna be your dog«. Der ist ein Klassiker, nur eben nicht für die Clubmusik, sondern für den Punkrock. Das Konzept, elektronische Musik und Punkrock zu verbinden, ging jedenfalls auf. Die Platte war ein Hit und Dakar & Grinser wurden fortan als die Väter des Electro-Clash gehandelt.

Der Hype wurde den Münchnern zu viel. 2001 lösten sie die Band auf. Dakar brachte unter seinem bürgerlichen Namen Christian Kreuz eine Platte heraus. Grinser arbeitete mit dem Wiener Elektroniker Florian Horwath unter dem Namen Grom zusammen.

Mit »Triumph of flesh« feiern Dakar & Grinser ihre Reunion, wenn man es so nennen will. Die gemütliche Nische ist immer noch nicht ihre Sache. Das Beste vom Punk vereinen sie mit dem Besten aus der Kokser-Disco. Hedonistische Coolness verbinden sie mit einem wunderbar kaputten Gestus. Der Punk ist zwar weiter in den Hintergrund getreten. Auf der Platte dominieren Electro-House und fette Funk-Bässe. Aber mit der eigenwilligen Coverversion des Songs »Inspiration« von Ian Dury gibt es einen eindeutigen Verweis.

Doch für Dakar & Grinser darf es noch ein bisschen mehr sein als Disco und Punk. »Making a slip« ist ein großartiger Electro-Boogie. »Better times« ist für die Cowboys auf der Tanzfläche. Im Kontext von Punk und Disco geht das eindeutig zu weit. Und das macht »Triumph of flesh« zu einem richtigen Spaß.

markus ströhlein

Dakar & Grinser: Triumph of flesh. Disko B