Der Gekreuzigte wird mit Fliegenklatschen gepeinigt, während ihm die Perücke ins Gesicht rutscht. »Testen Sie Ihre Flexibilität!« steht auf dem Gerüst, auf das ein Clown mit ausgestreckten Gliedern gebunden ist, der ein Namensschild der Zeitarbeitsfirma Manpower trägt. Ausgedacht haben sich diese Agitpropaktion junge Zeitarbeiter und Praktikanten, die sich auf diese Weise am Dienstag voriger Woche an der Demonstration in Paris beteiligten. Insgesamt waren in mehr als 150 Städten rund eine Million Menschen auf der Straße.
Die Proteste fielen auf den Tag der ersten Parlamentssitzung nach der Sommerpause. Neben der sinkenden Kaufkraft, den steigenden Mieten oder den drohenden Massenentlassungen wie derzeit bei Hewlett Packard in Grenoble sorgten vor allem die jüngsten »Reformen« dafür, dass sich ausnahmsweise alle Gewerkschaften auf eine gemeinsame Aktion einigen konnten. Mitten in der Urlaubszeit hatte die Regierung eine Reihe von »Flexibilisierungsmaßnahmen« beschlossen, darunter die Abschaffung des Kündigungsschutzes für Beschäftigte in kleineren Betrieben während der ersten zwei Jahre des Arbeitsverhältnisses. Zumindest die Praktikanten werden bald wieder demonstrieren: Für November rufen sie zu einem ersten Praktikantenstreik auf, weil viele Betriebe Praktika häufig dazu missbrauchten, um junge Arbeitssuchende zu kostenloser oder unterbezahlter Arbeit zu nötigen.
bernhard schmid