26.10.2005

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Stillgestanden! Links um! Ohren auf! Bundespräsident Horst Köhler sprach kürzlich auf der 40. Kommandeurstagung der Bundeswehr in Bonn zum 50jährigen Bestehen unserer »Verteidigungsarmee«, unserer »Bündnisarmee«, unserer »Parlamentsarmee«, unserer »Armee der Einheit«, wie er sie nannte. Und zu diesem Anlass sagte er so umwerfende Sätze wie: »Die Verantwortung eines Parlaments für seine Armee ist nur vergleichbar mit der von Eltern für ihre Kinder.« An diesem Bonmot erstaunt eigentlich nur das Wort »nur«. Ist die Verantwortung eines Parlaments für seine Armee nicht auch vergleichbar mit der eines Piloten für seine Fluggäste, eines Trainers für seine Mannschaft, eines Führers für sein Volk?

Egal, Köhler wird schon wissen, was er sagt, schließlich ist er der Bundespräsident. Trotzdem ging uns das Bild nicht aus dem Kopf. Sind Soldaten demnach gar keine Mörder, sondern Kinder? Verteidigen »Kindersoldaten« unser »Vaterland«? Und was sagen die »vaterlandslosen Gesellen« dazu?

Solche finden sich in unserer Redaktion zuhauf. Eine kurze Umfrage ergab ein erschreckendes Bild. Kein einziger der derzeit hier beschäftigten Mitarbeiter war bei der Bundeswehr, um seinen Beitrag zur Sicherung der »Lebensinteressen« (Köhler) und zur Beantwortung der »Lebensfragen unseres Landes« (Köhler) zu leisten. Vielmehr finden sich unter uns vier ehemalige Zivildienstleistende, zwei Untaugliche, drei Totalverzögerer (ja, auch so etwas gibt es!), ein Deutschausländer (Selbstcharakterisierung) , der hierzulande nicht gewollt hat und zu Hause nicht verfügbar ist, und ein St-Pauli-Fan.

Dieses Ergebnis erklärt einiges: die unaufgeräumten Spinde in der Redaktion, den Zustand der Kantine und die nicht eingehaltenen Appellzeiten (Im übrigen ist das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ein Problem, das sich derzeit verschärft. Wer ständig weggetreten ist, kann keine Zeitung machen!)

Was aber bedeutet das für die Wehrhaftigkeit der Jungle World und die »Lebensinteressen« unser Zeitung? Wer hat die richtigen Antworten auf unsere »Lebensfragen«? Ist nicht »Wachsamkeit der Preis der Freiheit«, wie Köhler es auszudrücken pflegt? All das sind Fragen, denen wir uns in der Bergmannstraße in der Zukunft stellen müssen. Und zwar flink wie die Wiesel.

Sie aber, werte Leserinnen und Leser, widmen sich derweil am besten unserer Ausgabe mit dem Schwerpunkt zum Thema Bundeswehr. Rührt euch!