Dresden ist so weiht

raucherecke

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Dresden ist schön! Sagt der Dresdner und flaniert mit stolz geschwellter Brust durch die Altstadt, in der Touristen die wieder aufgebaute Semperoper, den wieder aufgebauten Zwinger und die Hofkirche bewundern, sich am Fürstenzug entlang und über die Brühlschen Terrassen schieben. Dresden ist schön, aber es könnte noch so viel schöner sein, sagt der Dresdner, wäre da nicht dieser Schandfleck, diese Wunde, dieses Loch inmitten der barocken Schönheiten, wo einst, im goldenen Zeitalter, die Frauenkirche stand.

Jedes Jahr am 13. Februar pilgerte der Dresdner zu der mit Bäumchen bewachsenen Ruine und gedachte mit einer Lichterkette der Opfer der Luftangriffe, in deren Folge die Frauenkirche am 13. Februar 1945 in sich zusammenfiel. Auch die sächsischen Faschisten ließen es sich nicht nehmen, diesen ihren Trauertag zu zelebrieren, was den guten Dresdner natürlich erst recht auf die Straße trieb. Dieses Jahr im Februar wurde am 60. Jahrestag noch einmal ausgiebig getrauert und verarbeitet und daran erinnert, dass auch die Deutschen und besonders der Dresdner in diesem schlimmen Krieg die Opfer waren. Aber es war bereits unverkennbar: Die Frauenkirche ist wieder auferstanden aus Ruinen! Dank unzähliger Spenden – auch aus dem Ausland und sogar von der Queen! – kamen rund 100 der 180 Millionen Euro zusammen, die der Spaß kosten sollte.

Und am Sonntag war es dann endlich »so weiht«, wie es auf Plakaten angekündigt wurde: Bei strahlend schönem Wetter (denn Gott ist gut) pilgerten zehntausende Dresdner und Touristen zu Fuß und unzählige Würdenträger in gepanzerten Limousinen durch die abgesperrten Straßen, um dem Weihgottesdienst entweder in oder vor der Frauenkirche beizuwohnen. Bis zu drei Stunden anzustehen für eine zehnminütige Führung und ein bisschen Musik von der neuen Orgel, war ein Klacks bei dem Bühnenprogramm: Blasmusik von der Bläsergruppe Flöha und Gesang vom Frauenkirchenchor, dazwischen Gespräche mit kirchlichen Amtsträgern, Professoren und Bauarbeitern. Alle waren bewegt und feierten den Bau als »Werk der Versöhnung und eine Mahnung zum Frieden«.

Am Ende spazierte der Dresdner nach der Besichtigung seiner jetzt noch schöneren Stadt mit einer Einkaufstüte in der einen und einer Bratwurst in der anderen Hand stolz und zufrieden nach Hause.

josefine haubold