Da muss man gar nicht mit olle Marx kommen. Das wissen Sie auch so: Technologisierung bedeutet Rationalisierung bedeutet Arbeitserleichterung und im Kapitalismus logischer Weise den Abbau von Arbeitsplätzen. Man kann es auch so sagen: Der Fortschritt macht das Leben leichter, solange für die materielle Seite gesorgt ist. So, jetzt verraten Sie uns doch einmal, warum dieses unumstößliche, eiserne Prinzip überall und zu jeder Zeit zutrifft und funktioniert, nur bei uns in der Jungle World nicht?
Vielleicht, weil wir zu doof oder zu konservativ sind, uns die Vorzüge der Technik zu Nutze zu machen. Es gibt noch vier Kollegen ohne Mobiltelefon, und als hier kürzlich jemand mit einem MP3-Player auftauchte, wurde er bestaunt wie ein exotisches Äffchen auf der Drehorgel. Oder sagen wir es ruhig so drastisch, wie es ist: Die meisten hier fahren Fahrrad wie zu Uromas Zeiten. Was erwarten Sie also? Wenn man 200 Jahre Menschheitsentwicklung verschlafen hat, wie soll man dann von einem Tag auf den anderen ein neues Computerprogramm beherrschen?
Denn es genügt ja nicht, ein Programm zu installieren, das wurde nach langer Vorbereitungszeit schließlich professionell erledigt. Die Kollegen und Kolleginnen müssen ebenfalls neu installiert, upgedated, umgerüstet, betriebsbereit gemacht werden. Und es sei Ihnen hier verraten, dass dies nicht ganz so reibungslos funktionierte und regelmäßig, vor allem aus dem Produktionsraum, furchtbare Aufschreie und Schimpfkanonaden ertönten und sich eine Feindlichkeit gegenüber dem technischen Fortschritt ausbreitete, die an eine Taliban-Schule erinnerte. Das oben beschriebene Gesetz der Technologisierung schien bei uns nicht zuzutreffen. Statt weniger, hatten alle mehr Stress.
Aber das sind selbstverständlich, Sie kennen das, nur die Startschwierigkeiten, die Stolperer bei den ersten Gehversuchen. Bald schon werden wir die Maschinen wieder im Griff haben, und dann wird alles besser. Denn in der Tat zeichnet sich bereits am Horizont ab, welch großartige Vorteile die neue Technik uns bringen wird, und so wird der destruktive Skeptizismus, der schon die Erfinder des Zeppelins und der Notenseiten-Umblättermaschine begleitete, bald weichen, und wir und die Maschinen werden Hand in Hand in eine rosige, um Arbeit erleichterte Zukunft schreiten.
Dabei bleiben wir ganz entspannt. Denn auch dann wird das Gesetz der Rationalisierung bei uns nicht greifen. Eine solch wundersame Maschine muss erst noch erfunden werden, damit man hier noch etwas einsparen könnte.
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Gloßauftlag
Auch Chinesen wollen fliegen, und weil es so viele gibt, bestellen sie in Europa nicht nur 100, sondern gleich 150 Maschinen vom Typ Airbus A 320, und lassen sich das Ganze zehn Milliarden Euro kosten. (Nr. 49, Seite 7)