14.12.2005

»Viele arme Kinder starben«

small talk

Der aus Sri Lanka stammende Künstler und Kinderbuchautor Jayantha Gomes engagiert sich für Kinder, die vom Tsunami betroffen sind.

Wie sind Sie dazu gekommen, Kinderbücher zu ­schreiben?

Ich habe als Kind sehr viele Kindergeschichten aus Sri Lanka gehört. Ich bin 1956 geboren. Damals gab es nicht so viel Abwechslung durch Zeitungen, Radio und Fernsehen. Da haben die Großmütter und Tanten uns die Geschichten erzählt, die Märchen aus unserer Kultur und Religion. Das hat mich stark beeinflusst. Irgendwann Mitte der siebziger Jahre habe ich dann gedacht, ich muss das niederschreiben und malen.

Welche Kinderbuchkultur gibt es in Sri Lanka heute? Wird den Kindern viel vorgelesen?

Leider ist das nicht so. Es erscheinen nur wenige Kinderbücher im Jahr. Aber in den Familien werden viele Geschichten erzählt. Es existiert eine mündliche Erzählkultur.

Wie ist denn die Lage der Kinder in Sri Lanka nach dem Tsunami?

Wir haben offiziell 35 000 Tote gehabt. Ein Drittel davon sind Kinder. Kinder und ältere Menschen sind schwächer, sie können nicht so schnell fliehen. Viele arme Kinder kamen ums Leben.

Sie sind an einem Projekt beteiligt, dass sich um betroffene Kinder kümmert.

Es gibt die Organisation »Freunde für Freunde« in Sri Lanka, die ich von Deutschland aus unterstütze. Seit Februar haben wir 120 Kindern geholfen. Das sind Kinder, die ihre Mama oder ihren Papa verloren haben, teilweise auch ihr ganzes Hab und Gut. Wir unterstützen sie finan­ziell. In Sri Lanka gibt es kein Sozialsystem wie in Deutschland. Wenn die Eltern oder die Großeltern krank sind, dann kann das auch für das Kind ein sehr großes Problem sein.

Sie haben sich aber nicht nur mit Kindergeschichten befasst, sondern auch mit Politik.

Ja. Im Jahr 1971 kam es in Sri Lanka zu einer Revolte. Es hatte sich eine Partei im Untergrund gebildet, die Liberation Front. Ich war damals in der 10. Klasse, und ich arbeitete im Geheimen mit dieser Partei. Am 5. April 1971 begann der gewaltsame Aufstand, der von der Regierung wiederum mit Gewalt niedergeschlagen wurde. Innerhalb von zwei Monaten starben Tausende Menschen. Ich selbst kam vorübergehend ins Gefängnis, nachdem das Militär meine Schule durchsucht hatte. Aber das alles ist lange her.

interview: stefan wirner