22.02.2006

Ein Lied gegen Kopenhagen

ich-ag der woche

Über Shaaban Abdel Rahim heißt es, er stamme aus den Slums von Kairo und habe in einer Wäscherei gearbeitet, als er begann, auf Hochzeitsgesellschaften zu singen. Seine selbst produzierten Cassetten verkaufte er an Taxifahrer, bis ihn zufällig ein Fernsehsender entdeckte, der es lustig fand, einen echten »Local« zu präsentieren.

Shaa’bola, wie er auch genannt wird, schmiert sich eine Menge Gel in die Haarpracht und trägt üppigen Goldschmuck und Glitzeranzüge. Optisch wie musikalisch würde er unter der Rubrik »Trash« laufen, gelänge es ihm nicht, in seinen Liedern auszudrücken, »was die arabischen Völker auf dem Herzen haben«, wie es die palästinensische Tageszeitung al-Hayat al-Jadida formulierte.

Was aber haben die arabischen Völker so auf dem Herzen? In einem Song mit dem Titel »Ich hasse Israel« sang Shaaban Abdel Rahim vor gut vier Jahren, der israelische Premier Ariel Sharon stehe »in einem Swimmingpool, während Blut wie Regen fällt. Schaut auf Israel und seine Armee. Es greift an und tötet, und warum ist das nicht genug?« In dem Lied, das später in »Oh, arabischer Freund« umbenannt wurde, machte er Israel für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich. Obwohl das Video nur im privaten Fernsehen gezeigt wurde, verkaufte Shaaban Abdel Rahin über 15 Millionen Exemplare.

Mit dem Song »Hände weg vom Irak« avancierte er schließlich zum größten ägyptischen Popstar. Darin klagte er: »Tschetschenien! Afghanistan! Palästina! Der südliche Libanon! Die Golan-Höhen! Und jetzt auch der Irak? Es ist zu viel für die Menschen. Schande auf euch! Genug, genug, genug!« Nun gebührt ihm auch noch die Ehre, den ersten anti-dänischen Song veröffentlicht zu haben. Unter dem Titel »Unsere Geduld ist am Ende« empört er sich: »Wie bitte, Dänemark? Sogar Viehzüchter? Was bilden sie sich ein, den Propheten zu beleidigen?« Platz eins in den Charts der arabischen Länder scheint in Reichweite.

elvira hieb