22.02.2006

Haut dich weg, der Dreck

platte buch

Musikalisch ist das alles andere als abwechslungsreich. Ein gänzlich variationsfreier Voran-Rock, manchmal wummert nebenher ein nicht weniger simpler Discobeat. Auf der Bühne sehen die Cockbirds (»Penisvögel«) aus wie Neuköllner Metzgergehilfen, die erfolglos versucht haben, sich als die Schwulenpopgruppe Village People zu verkleiden, und das ist ja mal eine ganz famose Idee.

Was diese Leute treiben, wäre damit hinreichend beschrieben. Um Raffinesse geht es also nicht. Wen interessiert schon, ob die Musik feinsinnig, subtil oder fortschrittlich ist? Das ist sie nicht, und das ist auch unwichtig und interessiert dankenswerterweise auch keine Sau in dem Milieu, in dem die Cockbirds zuhause sind und für welches sie ihren Glam-Oi-Punk spielen. Dafür sind hingegen die Texte feinsinnig und subtil: »Ich mach euch alle platt / Dann sauf ich eure Biere aus / Und geh wieder nach Haus«. Auch die Frage, wozu Kinder gut sind, wird beantwortet: »Glockenhelles Kinderlachen   / Dann klingelt’s in der Haushaltskasse / Du kommst für mein Bierchen auf / Weil ich dir kein Tierchen kauf.«

Jeder Song klingt genauso wunderbar primitiv wie der vorangegangene, dumpfes Punkrockgitarrengebrettere, heiser gegrunzter Schreigesang, und das muss auch so sein und ist gut so, damit der Zuhörer abstumpft und sich bei ihm überhaupt erst das richtige Maß an Benommenheit einstellt, das er benötigt, um derlei Geboller angemessen genießen zu können. Von Vorteil ist ein Mindestmaß an Trunkenheit. Ist es nicht gerade die hier gelungen imitierte billige, unbekümmerte Haudrauf-Ästhetik, die man von deutschen Pogopunkbands der achtziger Jahre kennt, die so überaus reizvoll ist?

Höre! Staune! Gute Laune! Das ist eine ganz ausgezeichnete Musik, um sich ordentlich wegzuschießen, und es scheint, dass sie erfreulicherweise auch nichts anderes beim Hörer auslösen will: Laut sein! Dagegen sein! Saufen! Bier verschütten! Selbstzerstörung! Alles egal! Wir machen’s euch vor! Macht einfach mit! Und das macht Freude.

thomas blum

Cockbirds: Super­danke (Staatsakt / Indigo)