LeserInnenworld
Jungle World 06/06: Thema Streit um Cartoons
Rassismus und Blasphemie
Würde der politische Kontext nicht so hartnäckig ignoriert – vor allem die zunehmend islamfeindlich geprägte repressive »Integrationspolitik« in Europa –, könnten auch die Karikaturen nicht einfach nur als blasphemisch, sondern müssten als rassistische Stimmungsmache beschrieben werden. Natürlich wird die »Botschaft« der Karikaturen von fundamentalistischer Seite gnadenlos funktionalisiert, sie fügt sich aber dennoch in ein feindliches politisches Klima ein, von dem sich eben auch »Muslime« ausgegrenzt fühlen sollen, die mit dem politischen Islam rein gar nichts zu tun haben. Kritik daran zu üben, ist etwas völlig anderes als multikulturell oder antiimperialistisch geprägte Verständnisheischerei für islamistischen Terror.
anja
Jungle World 07/06: Der Schwindel geht weiter
Schwindel lauert überall
Bozic hat seiner Glosse den Titel »Der Schwindel geht weiter« gegeben. Es ist aber Bozic, der die Leser beschwindelt: In jedem zweiten der 22 Kapitel seines Buchs kommt Gunnar Schubert auf den Anteil der DDR an der Entstehung des Dresden-Schwindels zu sprechen, er schreibt von »der Schuld der DDR-Staatspolitik am ehernen Bestand von Lügengeschichten«, führt den stellvertretenden Vorsitzenden des DDR-Ministerrats mit seiner Lüge vor, »mehr als 300 000 friedliche Menschen« seien im Februar 1945 in Dresden umgekommen, eine jener Zahlen, von denen Schubert sagt, sie seien zu »niederen Zwecken … schon mal hochgefahren« worden. Und wie als Prophylaxe gegen Bozic zitiert Schubert, was die DDR-Behörden 1967 an die Ruine der Frauenkirche gemalt hatten: »Zerstört durch anglo-amerikanische Bomber / Ihre Ruine erinnert an Zehntausende Tote / Und mahnt die Lebenden zum Kampf / Gegen imperialistische Barbarei« – alles, was der Schwindler anmahnt, ist beisammen – bis auf Ulbrichts Tirade gegen den Morgenthau-Plan, von der Schubert vielleicht dachte, sie sei in einem 168-Seiten-Band über den Dresden-Schwindel entbehrlich. Wir kochen alle mit Wasser, und manchmal verschüttet einer was.
hermann l. gremliza
Jungle World 07/05: Völkische Signale
Viel heiße Luft
Danke für die wirklich guten Artikel in den letzten Ausgaben um den Autonomiestreit in Spanien und insbesondere für den Artikel von Thorsten Mense. Tatsächlich sind die politischen Auseinandersetzungen um den Autonomiestatus Kataloniens vollständig sinnentleert. Das völkische Selbstverständnis mündet lediglich in einen ein- und ausschließenden Diskurs. Die vermeintlich völkische Homogenität entpuppt sich als das, was sie schon immer war: ein absurdes Theater um viel heiße Luft. Große Bereiche der katalanischen Linken spielen dabei eine ganz unglückliche Rolle.
andreas, palma