Es kann gefährlich sein, seinen Job zu ernst zu nehmen. Beatrice Munah Sieh war die erste Motorradpolizistin Liberias, und Mitte der neunziger Jahre wurde sie Vizedirektorin der Polizeioperationen. Dann aber beschuldigte sie den Polizeichef Joseph Tate der Korruption. Eine riskante Insubordination, zumal Tate ein Cousin des Warlords Charles Taylor war, der sich die Präsidentschaft erkämpft hatte. Bald darauf wurde ihr Haus beschossen. Sieh war nicht daheim, wusste nun aber, dass es Zeit war zu gehen.
Sie floh in die USA, dort arbeitete sie seit 1997 als Lehrerin. Ihr ehemaliger Chef starb 1998, Oppositionelle vermuten, dass Taylor, dem das Geschäft über familiäre Beziehungen ging, ihn beseitigen ließ. Taylor wusste jedoch auch, wann es Zeit ist zu gehen. Im August 2003 kam er seinem gewaltsamen Sturz durch einen Rücktritt zuvor. Streng bewacht in seinem nigerianischen Exil, kann er nicht mehr mit einem Comeback rechnen. Sieh dagegen wurde in der vergangenen Woche zur neuen Polizeichefin ernannt.
Der liberianische Bürgerkrieg hat eine erstaunlich große Zahl von Frauen in einflussreiche Positionen gebracht, unter anderem die »War Lady« Asha Keita-Conneh, die weltweit wohl einzige Führerin einer Bürgerkriegspartei, und Black Diamond (»Mörser sind meine Lieblingswaffe«), die Kommandantin einer nur aus Frauen bestehenden Miliz. Nun hat Liberia nicht nur die erste Präsidentin Afrikas, die im vergangenen Jahr gewählte Ellen Johnson-Sirleaf, sondern ist auch das einzige Land des Kontinents, dessen Polizei von einer Frau geführt wird.
Zumindest wird Sieh das versuchen, denn auch die neue, von der Uno trainierte Polizeitruppe fällt durch »unprofessionelles und manchmal kriminelles Verhalten« auf, urteilt Human Rights Watch. Die neue Chefin glaubt jedoch an einen freundlichen Empfang durch ihre Untergebenen: »Sie sind glücklich, dass ich zurückkehren kann.«
jörn schulz