22.03.2006

Nachrichten

Zurück nach Schabbach

»Heimat«. Edgar Reitz will seiner »Heimat«-Trilogie noch ein kleines Nachspiel gönnen. Nachdem die dritte Staffel der Saga, die immer wieder um das Hunsrücker Dorf Schabbach kreiste, eher floppte, backt Reitz nun ganz kleine Brötchen. Eine »Art Epilog zur fertigen Heimat-Trilogie« soll das neue Projekt werden, ein Einteiler, der nochmals alle Charaktere der Serie bespiegelt. Das Fernsehen beteiligt sich nicht an der Finanzierung, und nur magere 100 000 Euro stehen Reitz bislang zur Verfügung. Das Ende der »Heimat« soll ausschließlich auf DVD herausgebracht werden und das war’s dann mit Schabbach, dem Hermännchen und all den anderen. Klingt ein wenig nach einem unrühmlichen Ende für ein Fernsehprojekt, das in seinen besten Momenten zum Eindrucksvollsten gehört, was das deutsche Fernsehen jemals produziert hat. (aha)

Anarchy in the UK

»V wie Vendetta«. Seit einer Woche läuft die Comicverfilmung »V wie Vendetta« in den deutschen Kinos, ein wirklich erstaunlicher Film. Alan Moore, der den dem Film zugrunde liegenden Comic verfasst hat, hat sich zwar von dem Streifen distanziert, doch man fragt sich, warum. Denn die anarchistische Botschaft Moores ist in der von den Gebrüdern Wachowski produzierten Dystopie rund um ein totalitär regiertes England in der Zukunft durchaus erhalten geblieben. Am Ende müssen Englands Regierung gekillt und Anschläge als »Zeichen der Hoffnung« verübt werden. Damit das Chaos herrscht und endlich alles gut wird. Für einen Hollywood-Film mit Blockbuster-Qualitäten ist das eine ziemlich erstaunliche Aussage. (aha)

Bobby Ewing lebt

»Dallas«. Wird bestimmt ein Brüller: Hollywood plant die Kinover­sion der Straßenfeger-Fernsehserie aus den achtziger Jahren, »Dallas«. John Travolta soll JR spielen, Luke Wilson Bobby Ewing, Shirley MacLaine wird die Rolle von Miss Ellie übernehmen und Jennifer Lopez die von Sue Ellen, die Alkoholprobleme hat. Klingt alles eigentlich ziemlich gut, auch wenn man dachte, das Achtziger-Revival läge inzwischen hinter einem. (aha)

Politisch korrekt

Isaac Hayes. Seit seiner Soul-Nummer »Shaft« ist der Mann unsterblich. Nun hat der ehemalige Sänger seine zweite Karriere als Stimme des Kochs in »South Park« beendet. Hayes ist Scientologe und hält den Produzenten der Serie jetzt vor, sich unangemessen über Religion und Glaubensfragen lustig zu machen. Dieser Befund ist ziemlich erstaunlich, denn von Anfang an macht »South Park« eigentlich nichts anderes, als sich gerne politisch unkorrekt über Religion und Glaubensfragen lustig zu machen. Wenn Hayes also wirklich ein Problem mit den Provokationen von »South Park« haben sollte, hätte er seinen Job als Stimme des Kochs niemals übernehmen dürfen. (aha)

Ab 18

»Tal der Wölfe«. Der türkische Film »Tal der Wölfe«, dem Antisemitismus, Antiamerikanismus und Gewaltverherrlichung vorgeworfen wird und der in Deutschland heiß diskutiert wird, wurde nun von der FSK »ab 18« freigegeben, davor konnten ihn sich Jugendliche ab 16 Jahren ansehen. Damit wird aus einem Film für die ganze Familie ein echter »Erwachsenenfilm«, womit die FSK auf die Anschuldigungen reagiert, der Film sei kaum mehr als ein Ekel erregendes und manipulatives Machwerk, das man Minderjährigen eigentlich nicht zugänglich machen dürfe. (aha)

PorYes

Glück. Das Magazin Lecker, das sich als Pornoheft für Mädchen versteht, heißt nun Glück, ist aber immer noch ziemlich lecker. Knackige und weniger knackige Jungs lassen die Hosen runter und zeigen alles. Dabei wird nicht einfach nur Mädchen endlich dasselbe geboten wie Jungs und Männern ganz selbstverständlich seit Jahrzehnten – nämlich die nackten Tatsachen beim anderen Geschlecht –, sondern es wird versucht, eine ganz eigene »Porno«-Ästhetik zu entwickeln und gleichzeitig auch den Pornobegriff der Männer zu ironisieren. Herumgefickt wird hier sowieso nicht, und auch Großaufnahmen von Geschlechtsteilen sollte niemand erwarten. Die Jungs liegen vielmehr wie ganz nebenbei fotografiert auf ihrem Bett, präsentieren beiläufig auch mal ihren Po, zeigen auch unvorteilhafte Stellen, sind keine unerreichbaren anbetungswürdigen Adonisse, sondern Kerle wie du und ich. Tobias Thomas, Spex-Redakteur und schönster DJ Kölns, ist Covermodel der aktuellen Ausgabe und allein schon den Kauf dieser wunderbaren Zeitschrift wert. (aha)

Lieber Nackte als Ausländer

Kampf der Kulturen. Weil es so schön ist, dokumentieren wir einfach den Kommentar der Süddeutschen Zeitung zur Aussage von Norbert Geis von der CDU, der über eine geplante Deutschland-DVD mit Nackten am Strand, die einbürgerungswilligen Ausländern gezeigt werden soll, gesagt hat: »Man kann über das Nacktbaden geteilter Meinung sein, aber man muss akzeptieren, dass es so etwas in Deutschland gibt.«

Der SZ zufolge möchte Geis damit eigentlich sagen:

»Diese bloßen Brüste am bayerischen Baggersee sind der Verderbtheit der westlichen Welt und ihrer allgemeinen Verlotterung zuzuschreiben. Das ist natürlich alles ganz schlimm. Um so mehr, als man sich als rechtschaffen heterosexueller Mann bei verstohlenen Blicken ertappt, woran niemand anders als diese schamlosen jungen Dinger schuld sind. Eigentlich finde ich das also ekelhaft, aber wenn es andererseits hilft, Ausländer davon abzuhalten, nach Deutschland zu kommen, soll’s mir recht sein.« (aha)