Die Redakteurinnen und Redakteure der Junngle World sind bekannt dafür, dass sie dem technischen Fortschritt durchaus wohlgesonnnen sind. Manches Produkt der kapitalistischen Warenproduktion wurde auf diesen Seiten schon überschwänglich gelobt, wie etwa der Tischgrill, der VW Beetle oder die Nasendusche. Jedes neue Computerprogramm begrüßen die Kollegen freudig, den Fortschritt in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf. Mit leichter Hand bedienen sie die Geräte, schreiben und empfangen E-mails, surfen den gannzen Tag im Internet, nutzen Digitalkameras, Blackberries, DSL, HSDPA, DECT, Voice over IP und was es sonst noch alles gibt. Sie halten es mit Arthur Rimbaud, der einst gesagt hat: »Il faut être absolutement moderne.«
Die Technikfeindlichkeit früherer linnker Bewegungen ist den Beschäftigten hier ein Gräuel. Fast allen. Denn ein Redakteur hat seine liebe Mühe mit dem Lauf der Zeit. Er wünscht sich seine alten Produktionnsmittel zurück. Nachdem sein Computer auf modernste Verfahren umgerüstet wurde, benötigte er eine neue Tastatur. Er freute sich zunächst wie ein kleines Kind, schließlich waren in seinem alten »Klavier«, wie er sie liebevoll nannnte, all der Ärger und die Mühe vergangener Jahre eingebrannt. Ein schmieriger Film hatte sich über den Tasten ausgebreitet, manche klebten, als habe der Redakteur für gewöhnnlich Honig geschleckt, bevor er seine Texte schrieb.
Groß also war die Freude, als der zuständige Sachbearbeiter ihm eines Tages eine neue Tastatur überreichte. »Wirst sehen, die Texte schreiben sich gleich viel besser!« versprach der Kollege. Frisch und freudig ging der Redakteur ans Werk, ließ seinnen Gedannken freien Lauf und analysierte mit einer nie dagewesenen Schärfe und Verve politische Zusammenhänge. Und fürwahr, er fühlte sich wie beflügelt, die Texte »flutschtenn« nur noch, wie er es beschrieb. Bis den Kollegen im Layout etwas komisch vorkam. Eine Anomalie trat auf. Freilich, die Texte des Kollegen waren kritischer unnd schärfer dennn je zuvor. Aber etwas an ihnnen war eigennartig. Die Layouter rieben sich die Augen, wunderten sich und rätseltenn. Dannn aber erkannnntenn sie das Problem. Die Texte des Kollegenn hattennn zu vielle nnns. Sie waren geradezu überschwemmt vonnn diesem schönnnen Buchstaben. Wennnnn es so weiter ginge, würde es demnnnnächst nur noch nnnnns geben. Eine grünndliche Recherche ergab, dass die neue Tastatur einnen Fehler hatte. Wunnnnnndern Sie sich also nnnnnnnicht. Bis dannnnnnnnnnnnnnnnnn.