29.03.2006

LeserInnenworld

Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen. Zuschriften bitte an: briefe@jungle-world.com oder per Post an die Redaktion.

Jungle World, 12/06: Thema Aufruhr in Frankreich

Fröhliche Selbstausbeutung im Kiez

Während in Frankreich gegen die Prekarisierung protestiert wird, machen Berliner »Alternative« brav mit beim Spiel um Billigarbeiter. Diejenigen, die noch vor zwei Jahren gegen Hartz IV und Ein-Euro-Jobs protestiert haben, können sich offenbar im neuen Billigarbeiter-Bereich ganz gut einleben. In Berlin-Friedrichshain haben, wie man im Berliner Abendblatt-Friedrichshain lesen konnte, einige Initiativen (der Ubi-Kliz-Mieterladen und die workstation berlin – beide eigentlich als Kritiker des kapitalistischen Arbeitssystems bekannt) ein »neues Modellprojekt« gestartet: der »MAE-Kiez-Pool«. Hier können sich Hartz IV-Bezieher freiwillig zur fröhlichen Selbstausbeutung im eigenen Stadtteil melden. Offensichtlich ist das neue Kontrollorgan »Arbeitsvermittlung« so verlockend, dass sich »gemeinnützige Kiez-Initiativen« gut darin einrichten und beteiligen können. Wen man nicht bekämpfen kann, muss man anscheinend umarmen. Erwerbslose sollten sich auf dieses Spiel der »weichen Repression« nicht einlassen. Jede MAE-Stelle, sei sie auch noch so gemeinnützig, ist ein Zwangsarbeitsverhältnis. Daran ändert sich auch nichts, wenn so genannte Alternative einem die »Auswahl« lassen, in welchem Projekt man seine Arbeitskraft verschenken soll.

mischka

Jungle World 11/06: Traurig und konsequent

Geschwiegen wird nicht

Der Leserbrief stellvertretend für die »Protégés« der scheinbar »Verdammten dieser Erde« war erschreckend, jedoch nicht unerwartet. So findet eine wahrwitzige Täter/Opfer-Verdrehung statt, wenn man radikalen Kritikern Rassismus vorwirft, ohne sich in bester Sozialpädagogenmanier Gedanken zu machen, was das eigentlich ist. So sind es wohl vielmehr die Grundannahmen der Kritikerin, eine »Kultur« biologisieren zu müssen, um Kritik an dieser vermeintlichen »Kultur« in bestem anti-aufklärerischen Geist als Rassismus zu »enttarnen«. Nur, wer hat hier Annahmen von »Rassen« oder stellvertretend »Kulturen« mit lebenslanger Zwangsmitgliedschaft qua Geburt vor Augen? Gut, dass Leute wie Pankow hier schreiben und nicht wie Besagte schweigen über das Schicksal des/der Homosexuellen in Teheran, der Frauen in Gaza oder den Antisemitismus in Kreuzberg und der zugrunde liegenden Ideologie – auf diese Differenz kommt es wahrlich an. Danke.

mark zweck

Jungle World, 12/06: Disko Aufreiß-Ratgeber

Irritierend

Dass es euch wert ist, über so etwas zu schreiben, ist irritierend. Wie ihr darüber schreibt, ist noch irritierender. Habt ihr keine Angst, dass das jemand ernst nehmen könnte? Der Witz und Informationsgehalt dieser Disko entspricht tiefstem Bildzeitungsniveau.

lubedeluxe