LeserInnenworld
Jungle World, 18/06: In rosa Watte
Tiefenpsychologisch laut gelacht
Christian Dornbusch und Andreas Speit haben eines der schönsten Argumente der Apologeten von »Death in June« vergessen: Douglas Pearce könne gar kein Nazi sein, da er offen zu seiner Homosexualität steht. (Tiefenpsychologisch können wir darüber elitär lachen, aber die meinen das ernst.) Zudem ist es etwas strange »Goethes Erben« (mehr oder weniger) mit »Sozialistisches Patienten-Kollektiv« SPK (haben sie nicht gemacht, aber tendenziell doch) in einem Topf zu subsummieren, aber egal.
ein (uteral)-oralmarxist
Jungle World 18/06: Chávez ist voll im Bild
Keine Propaganda für die freie Welt
Sicher gibt es einiges zu kritisieren am Konzept des noch jungen Senders Telesur, jedoch sollte man dabei nicht den Kontext der lateinamerikanischen Medienlandschaft außer Acht lassen. Tatsächlich ist Telesur nicht ein »CNN des Südens« – dieses gibt es schon, fein auf Spanisch und überall zu empfangen. Und was dort gesendet wird, dürfte ein Autor einer »linken« Wochenzeitung sich zumindest denken können: Propaganda für die »freie Welt«, die »Demokratie« und die Kriege, die dafür geführt werden. Die Basisnähe des Senders hat ihre Mängel, aber vielleicht sollte man sich einmal Gedanken über sein Ziel machen. Dieses ist tatsächlich, der absoluten Übermacht der Privatmedien aus den USA oder ihrer regionalen Zuarbeiter etwas entgegenzusetzen. Selbst wenn Telesur sich von dem Anspruch entfernt hat, Basisfernsehen zu machen, ist einiges für einen vermeintlichen »CNN-Klon« dann doch verwunderlich. Im Gegensatz zum privatkapitalistischen Konzern CNN hat Telesur z. B. einen Rundfunkrat für demokratische Kontrolle und wird von einem internationalen Bündnis getragen. Die Tatsache, dass viel Bildmaterial vom staatlichen Fernsehsender Vive benutzt wird, als Indiz dafür zu nehmen, dass Telesur zum Chávez-Sender verkommt, zeigt die Unkenntnis. Bei Vive laufen vorwiegend Programme von Basisgruppen oder über Basisgruppen und -bewegungen. Des weiteren sind die Inhalte von Telesur ein entscheidendes Kriterium für seine Andersartigkeit. So gehören z. B. Informationen über progressive Kämpfe überall auf der Welt aus der Sicht ihrer ProtagonistInnen und die Darstellung der Ereignisse aus der Sicht des Südens zur Norm. Und auch eine (wenn auch alte) Dokumentation über indigene Kultur als so etwas wie »Ethno-Kitsch« abzutun, ist scheußlich. Telesur ist ein ehrgeiziges Projekt der Linken im Kampf gegen die Hegemonie des Neoliberalismus.
jan kühn und maxim graubner, caracas