Ekstatisch zuckende Leiber, die sich über die Bühne wälzen. Tränenfeuchte Gesichter, auf denen sich gelöste Entspanntheit zeigt. Schweißnasse, mit Drogen vollgepumpte Menschen, die sich glücklich in den Armen liegen. Szenen von nie zuvor für möglich gehaltener Erhabenheit. Der zweite Universal Luftgitarren-Contest der Jungle World war ein erschütterndes Erlebnis für alle Anwesenden.
Als nun einige Kolleginnen und Kollegen am nächsten Tag, mit zitternden Händen und putzlappengrauer Gesichtsfarbe, sich rituell gierig um die Kaffeemaschine versammelten, entspann sich eine Diskussion darüber, dass eine Kollegin nach Ende des Luftgitarren-Contests frühmorgens von einem Spitzel der Redaktion »auf einer ganz anderen Party« erkannt worden sei.
Das drängendste Problem, wie sich herausstelle, bestünde darin, meinte ein Kollege, dass die fortlaufende Abfolge von Partys »künftig einer generalstabsmäßigen Organisation« bedürfe. Im Grunde hätten sich, so dozierte der außer sich geratende Kollege, während er bedrohlich seine Kaffeetasse hin- und herschwenkte, mit der Zeit eklatante Missstände eingeschlichen, insbesondere was die »Präzision und Verlässlichkeit« betreffe, mit der bisher darauf geachtet worden sei, dass Partys »bedingungslos nacheinander« stattzufinden hätten.
So könne es beispielsweise zu dem Ärgernis kommen, dass drei exzessive Partys an einem Abend stattfänden und an anderen Abenden sei praktisch »Leerlauf«. Ein derartiges Partychaos sei hochgradig »unsolidarisch« und zeuge von einem sich mehr und mehr im Stillen ausbreitenden »kleinbürgerlich-anarchistischen Bewusstsein«. Drei aufeinander folgende Nächte ohne Party seien schließlich eine »Zumutung sondergleichen«, mahnte er mit bebender Stimme. Hier müsse »rigoros mit eiserner Faust« für Ordnung gesorgt werden. Es bedürfe daher einer redaktionsintern unverzüglich zu gründenden »Party-Sonderkommission«, die geleitet werden müsse von einem unbestechlichen »Party Watch Director« und deren ureigene Aufgabe darin zu bestehen habe, nicht nur einen »bombensicheren Partykalender ohne zeitliche Überschneidungen« zu erarbeiten, sondern auch eine »permanente Grundversorgung mit Partys langfristig zu gewährleisten« usw.
Irgendwann stand der Kollege dann wild fuchtelnd und mit sich selbst redend alleine da. Aber weil wir die einzige linkshedonistische Zeitungsredaktion der Welt sind, werden wir seine im Grunde ausgezeichnete Idee mit dem »Party Watch Director« im Hinterkopf behalten.
Der dritte Luftgitarren-Contest der Jungle World wird dank seiner Hilfe jedenfalls stattfinden, früher oder später. Und Sie sollten ihn in Ihrem eigenen Interesse nicht versäumen. Wenn nicht gerade eine andere Party stattfindet, versteht sich.