Auf der Demonstration gegen den Sozialabbau am 3. Juni in Berlin kam es zu heftigen Übergriffen der Polizei. Ein Gespräch mit Martin Behrsing, dem Sprecher der Organisatoren der Demonstration.
Sie erheben schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Worum geht es?
Es kam im gesamten Verlauf der Demonstration immer wieder zu Rangeleien, ausgelöst von der Polizei. Man hatte das Gefühl, die Beamten hatten das Ziel, die Demonstration permanent zu stören. Während der Demonstration ging es um Kleinigkeiten, da war dann plötzlich ein Transparent zu groß usw. Es gab keine Rücksprache mit der Demonstrationsleitung. Wir hätten da sicherlich noch etwas machen können, aber man hat offensichtlich auf einen günstigen Augenblick gewartet, um genug Polizei zusammenzuziehen, die dann wirklich wahllos auf Demonstranten losging. Es waren ja auch ältere Menschen betroffen. Manche haben sich dann natürlich auch gewehrt.
Warum ist die Polizei so vorgegangen?
Ich denke, dass es da ein Anordnung des Berliner Innensenators gab, um deutlich zu machen: Ihr stört.
Die Polizei behauptet, es habe Verstöße gegen das Versammlungsgesetz gegeben. Es seien Transparente gezeigt worden, die über 1,50 Meter lang waren.
Das rechtfertigt nicht sowas. Die Polizei hat auch die Verhältnismäßigkeit zu wahren. Wenn es zu Gewalt seitens der Demonstranten gekommen wäre. Aber das war nicht der Fall. Es war ja eine ausgesprochen friedliche Demonstration.
Es wird von der Polizei inzwischen wohl auch in den eigenen Reihen ermittelt. Hatten Sie den Eindruck, dass es sich um einzelne Beamte handelte, die so hart vorgingen? Oder handelte es sich um eine Strategie?
Es war ein strategisches Vorgehen. Sie ermittelt nun gegen Unbekannt in den eigenen Reihen, aber es ist ja vorhersehbar, wie diese Ermittlungen enden. Auf den Fotos ist ja keiner der Beamten zu erkennen. Kein Wunder, bei dieser Montur.
In Berlin regiert ein rot-roter Senat. Die Linkspartei aber hat auch zu der Demonstration aufgerufen.
Die Linkspartei muss sich dazu äußern, was hier geschehen ist. So geht es nicht. Die Berliner Linkspartei zeigt sehr deutlich, dass sie sich nicht dafür interessiert, was die Bundespartei sagt.
interview: stefan wirner