LeserInnenworld
Jungle World, 21/06: Nie wieder Antifaschismus!
Leider geschludert
Mal wieder wahr gesprochen, klug und weise, nur leider trotzdem: geschludert!
Zwar machen die Antifas Fehler. Aber der Staat, der repressive, lässt die Nazi-Schläger von Potsdam kurzerhand frei …
Was nun? Fehlen nur genügend hübsche Perspektiven, sprich: genug Arbeitsplätze für die Fremdenhasser? Müsste denn – sozusagen als Belohnung für die Glatzen – der Solidaritätszuschlag für den Osten verdoppelt werden? Oder bräuchte es einfach mehr Jungfrauen für die Märtyrer in Preußen?
Keiner bringt es auf den Punkt. Schade.
b. lichtenstein
Jungle World, 21/06: Dossier
Bitterer Nachgeschmack
Ich hab’ mich eigentlich sehr über das Dossier gefreut. Ein Thema, das viel zu selten diskutiert wird. Es wird auf blinde Flecken und Fehler in der bisherigen Auseinandersetzung eingegangen. Geschmälert wird dieser Eindruck durch das Gefühl, dass es hier aber auch darum geht, die A.G. Gender-Killer zu dissen.
Den Passagen, in denen nachvollziehbare Kritik geübt wird, folgen immer wieder lächerliche Vorwürfe. Am schlimmsten wird es, wenn der A.G. quasi eine Verharmlosung der Täterschaft deutscher Frauen vorgeworfen wird, indem entscheidende Worte in Zitaten nicht wahrgenommen werden. Nach dem Absatz zur Einbindung der deutschen Frau in das NS-Vernichtungsprojekt auch jenseits der Mutterrolle behauptet die Autorin, die A.G. sei der Meinung, dass die deutsche Frau im NS »erst eingeschworen« werden musste. Dass die A.G. aber schreibt: »Um die Hausfrau und Mutter vollends auf das Volk einzuschwören (…)«, stört sie nicht. Doch gerade das ist der Unterschied! Das eine bedeutet, die Frauen seien passiv gewesen und wenn schon keine Opfer, so zumindest auch keine eigenständigen Täterinnen. Das Original aber meint, dass die meisten deutschen Frauen schon auf Linie waren, aber eine Organisierung dies noch komplettierte.
Bei dem sonst gelungenen Beitrag bleibt ein bitterer Nachgeschmack.
stefan aus berlin