Vor gar nicht so langer Zeit wurde gerne behauptet, dass für die moderne Unternehmensführung soziale Kompetenz von entscheidender Bedeutung wäre. Das stimmte zwar nicht, doch immerhin wollten Manager damals, dass alle glauben, sie seien am Wohl und an den Meinungen ihrer Angestellten interessiert.
Das neue Selbstbild der Manager präsentiert Uwe Jean Heuser in der Zeit. »Sie sind locker und freundlich, sie lachen gern mal. (…) Aber sobald es irgendwo in ihrem Unternehmen nicht läuft, schlagen sie zu. Erst kommen die harten Renditevorgaben, dann werden Jobs gestrichen.« Diese »neue Generation« ist »schnell und radikal«, sie »übt immerfort Druck auf die eigenen Leute aus«, und »selbst wenn sich alle bemühen, garantieren sie nichts«.
Auf diese Weise festigen sie »das Fundament für eine wachsende und jobhaltige Wirtschaft« und werden zum Vorbild: »Deutschlands Politiker könnten von dieser Garde manches lernen.« Zum Beipiel, »dass sie Konflikte austragen«. Und wo lernt man das? »Es ist kein Zufall, dass sich diese Manager allesamt als Sanierer in den USA einen Namen gemacht haben.«
Dort haben die Unternehmensberater von Korn/Ferry International, wie die Zeit in der gleichen Ausgabe berichtet, eine Entdeckung gemacht: »Ex-Militärs sind als Unternehmenschefs offenbar erfolgreicher als ihre zivilen Konkurrrenten.« Nicht etwa, weil sie mehr Erfahrung im Anrichten von Kollateralschäden haben, sondern weil sie »ruhig bleiben unter Feuer«, und weil man beim Militär lernt, »wie man plant und vorsorgt«. Die ehemaligen Offiziere glauben auch, »das Training bei der Armee und die Absolvierung eines MBA-Kurses (Master of Business) seien im Prinzip ähnlich.« Da fällt es nicht schwer, sich vom »war on terror« auf den »war on workers« umzuorientieren.
Müssen deutsche Manager das wirklich noch lernen? Ohne in West Point studiert zu haben, wendet die »neue Generation« bereits die »Shock and Awe«-Strategie an, bei der es darum geht, »die Wahrnehmung und das Verständnis des Feindes von den Ereignissen zu paralysieren, so dass er unfähig wird, Widerstand auf der taktischen und strategischen Ebene zu leisten«.
jörn schulz