19.07.2006

Deutsche Wurst schmeckt

uncle rooneys welt

In den britischen Zeitungen ist man voll des Lobes für die deutsche Organisation der WM. Einige Kolumnisten, die sich vorher über die deutsche Wurst lustig gemacht haben, lieben jetzt deutsche Wurst. Alle waren erleichtert über das gute Wetter und die gute Stimmung und darüber, dass größere Straßenschlachten ausgeblieben sind. In England waren wie in Deutschland alle in Partylaune. Der Bierverbrauch ist während der WM in Großbritan­nien um 36 Prozent gestiegen, bei Pizza, Chips und Take Away Food waren es 40 Prozent. Nun zu sagen, das Deutschlandbild der Briten habe sich entscheidend ge­ändert, ist wohl etwas voreilig.

Die meisten Engländer haben gar keine Ahnung vom heutigen Deutschland. Im Jahr 2005 haben 14 Millionen Briten in Spanien Urlaub gemacht, 12 Millionen in Frankreich, und nur zwei Millionen fuhren nach Deutschland, wovon die Hälfte Geschäftsreisende waren. Das Schulfach Deutsch verliert zunehmend an Bedeutung. Und nun waren in vier Wochen 350 000 Briten in Deutschland. Aber was haben sie erlebt außer Party und Bierseligkeit? An dem Tag des Spiels gegen Trinidad & Tobago soll jeder englische Fan in Nürnberg angeblich 9,7 Liter Bier getrunken haben. Und das bei der Hitze! Man kann davon ausgehen, dass das die Fähigkeit zu differenzierten Betrachtungen deutlich negativ beeinflusst hat.

Entscheidend für die momentan relativ gute Stimmung gegenüber den Deutschen ist aber das desaströse Auftreten der englischen Nationalmannschaft. In England war der Hype um die eigene Mannschaft vor der WM absolut gigantisch. Und dann sah man auf dem Platz die miserable Leistung der Spieler, mit all diesen großen Namen und Gehältern. Die Nationalmannschaft hat England vor der Weltöffentlichkeit bis auf die Knochen blamiert. Die Engländer hatten also schon rein sportlich wenig Grund, über die Deutschen herzuziehen. So erklärt sich wohl, dass einem Engländer plötzlich sogar eine deutsche Wurst schmeckt.

martin rooney (nicht der onkel von wayne rooney)