Mit ihrem dritten Album »The Hit Pit« hat sich die Nürnberger Band Amen 81 ganz dem von Straight Edge beeinflussten US-Hardcore verschrieben. Das ist für Straight Edge und für DIY-Hardcore-Punk ein echter Glücksfall, denn hier spielen Punks und nicht Popper oder Schlägertypen diesen ansonsten musikalisch und politisch bankrotten Stil. Während Hardcore heute zum Synonym von Kommerz, Machotum und Nazirock geworden ist, bezieht man sich hier auf die Anfänge der Hardcoreszene.
Und so fühlte ich mich auch sofort an die ersten Bands erinnert, die in Deutschland zwischen 1985 und 1986 anfingen, Ami-Hardcore zu spielen: Challenger Crew, Sons Of Sadism und Hostages Of Ayatollah. Genau wie diese singen auch Amen 81 auf Deutsch. Überdies kann man die Texte ganz gut verstehen. Der bei modernen Hardcore-Punkbands inzwischen übliche Kreischgesang lässt ihre Texte für gewöhnlich in den Hintergrund treten. Bei Amen 81 dagegen scheinen alle Songs vom Text getrieben. Inhaltlich geht es um christliche Punks, die sich doch bitte gleich selbst ans Kreuz nageln sollten, deutschtümelnden Quoten-Unsinn im Radio und natürlich Straight Edge, allerdings ohne den genreüblichen, selbstgerechten Zeigefinger. Außerdem haben sie ein ganz heiteres Lied gegen Palästinensertücher geschrieben, diese keimigen Teile konnte ich schon in den Achtzigern nicht leiden. Trotzdem ist das hier kein Deutsch-Punk. Die Texte lassen genug Spielraum zur Interpretation, und auch musikalisch geht es erheblich aggressiver zur Sache. Die für Straight Edge typischen Breakdowns und die fette Produktion tragen dazu bei. Wie alle Platten von Amen 81 ist auch »The Hit Pit« im Selbstverlag erschienen und ausschließlich auf Vinyl erhältlich. Ach ja, das hätte ich fast vergessen, um es ganz deutlich zu sagen: »The Hit Pit« ist eine Hammerscheibe. Rockt ohne Ende!
andreas michalke
Amen 81: The Hit Pit. 3,0 PS Schallplatten