Schon früh hat der Suhrkamp-Verlag seine literarische Bedeutung erkannt. Donald Barthelme war neben Ron Padget der bedeutendste jüngere postmoderne US-Autor, den Rolf Dieter Brinkmann in »Acid« vorstellte. Die Postmoderne war damals noch etwas anderes als das, wofür sie heute gilt, nämlich die spielerische Reaktion auf den Verlust frühaufklärerischer Wahrheitsbegriffe.
Suhrkamp jedenfalls brachte ein paar Romane und Erzählungen, in den achtziger Jahren nahm Klett-Cotta den Faden auf. Seit dem Tod Barthelmes, der 1989 als 58jähriger dem Krebs erlag, ist es hierzulande still um ihn geworden. Dass der engagierte Verlag Urs Engeler Editor in Basel nun den letzten Roman Barthelmes, »Der König«, erstmals auf Deutsch vorgelegt hat, verdient so sehr Respekt, wie es die vormaligen Verlage beschämen sollte.
»Der König« ist wie alle späten Romane Barthelmes als Groteske angelegt und spielt mit literarischen Traditionen. Wie so oft nimmt Barthelme Figuren aus einem Märchen- oder Sagenstoff und konfrontiert sie mit der Neuzeit; in diesem Fall müssen König Artus, Lanzelot und andere Ritter England schützen, während die Nazis aufgerüstet haben, Frankreich überfallen und London bombardieren.
Die Situation ist gespannt, »Winston« reagiert, Artus zufolge, nicht angemessen, die Ritter müssen sich mit Dingen herumschlagen, die sie nicht interessieren. Gewerkschafter haben eine Lokomotive an die Gleise geschweißt, um ihre Forderung nach mehr Geld zu unterstreichen, Pläne zum Bau der Atombombe werden der Tafelrunde zugespielt, die Nachrufe in der Times sind nicht mehr so gut wie früher, es gibt sogar Kommunisten im Ritterstand. Dabei wollen die Ritter der Tafelrunde eigentlich nur Ehrenvolleres tun: Gegner niederkeulen, Zauberwälder durchreiten, ihre Söhne ermorden.
Was anderen Autoren schnell zur allzu simplen Geschichte geraten würde, bleibt bei Barthelme ambivalent. Das Leiden der Ritter ist komisch, doch auch verständlich, die Neuzeit erscheint schrecklich, ist aber nicht schlechter als die »gute alte Zeit«. Dass etwa die Bombardierungen die Ritter verzweifeln lassen, macht sie noch grausamer, weil sie zugleich den »ehrlichen« Zweikampf und das Knappenwesen loben. Artus selbst würde gern sterben, darf sich aber (der Nachrufe wegen) nicht selbst töten. Daher wartet er ungeduldig auf ein Attentat oder den Tod in der Schlacht.
»Der König« ist von großer Komik. Wenn Lanzelot die Philosophie des »Soseinsollens« entwickelt, muss man laut loslachen. Wie schrieb Thomas Pynchon? »Barthelme ist einer aus der Handvoll amerikanischer Autoren, die den Rest von uns schlecht aussehen lassen.«
Donald Barthelme: Der König. Aus dem Amerikanischen von Maximilian Schäfer. Urs Engeler Editor, Basel 2006, 160 S., 17 Euro