Kürzlich spielten Neonazis auf einer Demonstration in Berlin-Prenzlauer Berg Lieder von »Ton, Steine, Scherben«. Müssen sie dafür Gema-Gebühren zahlen? Ein Gespräch mit Frau Schlicher aus der Presseabteilung der Gema.
Wie verhält es sich mit dem Urheberrecht auf Demonstrationen? Sagen wir mal, auf einer Demonstration wird ein Lied von Bob Marley gespielt.
Prinzipiell ist es so, Demonstration hin oder her: Wann immer Sie Musik in der Öffentlichkeit wiedergeben, müssten Sie dafür die Lizenz erwerben.
Was müsste ich tun, wenn ich ein Veranstalter bin?
Sie müssten sich bei der Gema-Bezirksdirektion melden und die Veranstaltung anmelden. Es ist ja vorher meist nicht abzusehen, wie viele Leute da kommen. Wenn sie in einem Saal stattfindet, hängt es ab von der Größe, und dann wird das nach Tarif berechnet.
Wenn ich dann ein bestimmtes Lied spiele, erhält der Künstler ein paar Cent dafür?
Es kommt darauf an. Wenn dort eine Band spielt, dann müssen Sie eine Liste einreichen, was sie gespielt hat.
Kürzlich spielten Neonazis auf einem Aufmarsch ein Lied von »Ton, Steine, Scherben«. Wenn die dieses Lied benutzen, müssen die dafür Gema-Gebühren bezahlen?
Im Normalfall schon. Allerdings machen wir bei rechtsextremer Musik eine Ausnahme, denn diese nehmen wir nicht bei der Gema auf.
»Ton, Steine, Scherben« sind links, das war die frühere Band von Rio Reiser.
Rio Reiser sagt mir was.
Mittlerweile spielen die Rechten auf ihren Demonstrationen diese Musik.
Seltsam. Gott sei Dank bin ich in diesem Geschäft nicht drin.
Die müssten also was zahlen, und das käme den »Ton, Steine, Scherben« zugute?
In der Theorie: ja.
Das ging über die Lautsprecheranlage.
Ach, Tonträger? Da wird das auf die anderen Bereiche aufgeschlagen. Dann müssen Sie keine Listen einreichen. Sie müssen es zwar anmelden, aber verteilt wird es über ein Aufschlagssystem, weil es sonst in der Praxis nicht machbar ist. Ich will es nicht zu kompliziert machen.
Aber als »ordentliche« Deutsche müssten die Neonazis das anmelden?
Natürlich! Da sind ordentliche Deutsche also unordentliche Deutsche!
interview: stefan wirner