Die Internationale Energie-Agentur (IEA) hat vorgeschlagen, zum Schutz des Klimas mehr Atomkraftwerke zu bauen. Die Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNNW) hat etwas dagegen. Ein Gespräch mit ihrem Atomexperten Henrik Paulitz.
Warum lehnen Sie diesen Vorschlag ab?
Der Vorschlag der IEA ist schlichtweg unsinnig, wenn man bedenkt, dass man alleine 1 000 Atomkraftwerke bauen müsste, um zehn Prozent der fossilen Energie einsparen zu können.
Warum wird so ein unsinniger Vorschlag gemacht?
Es gibt ein beständiges Bestreben der Atomindustrie, einflussreiche Institutionen und Personen zu gewinnen, um mithilfe des abgedroschenen unnd endlos wiederholten Klimaarguments Unterstützer für den Neubau von Atomkraftwerken zu finden.
Was würde es bedeuten, wenn man den Vorschlag verwirklichen würde?
Es würde bedeuten, dass im Laufe des Baus der 1 000 Atomkraftwerke, für die ja auch die industriellen Fähigkeiten fehlen, so viel Uran verbraucht werden würde, dass die Uranreserven verbraucht wären.
Der Vorschlag kommt ja zur rechten Zeit. Der Schutz des Klimas ist ein aktuelles Thema. Was schlägt die IPPNW vor, um den Treibhauseffekt zu vermindern?
Es ist seit 30 Jahren bekannt, was zu tun ist. Man muss zügig umsteuern auf eine dezentrale Energieversorgung auf der Basis erneuerbarer Energien. Man muss weitermachen mit dem Ausbau der Wind- und Solarenergie, und zwar forciert. Auch im Wärmesektor und im Verkehr.
Was hat die IEA gegen diesen Weg?
Man produziert Lippenbekenntnise für erneuerbare Energien und für Energieeinsparung. Fakt ist, dass die großen Energiekonzerne ihre Großkraftwerke und die Atomenergie ausbauen wollen. In Deutschland sollen 20 bis 24 neue fossile Großkraftwerke gebaut werden. Die gleichen Leute reden dann vom Klimaschutz.
interview: stefan wirner